Die Würfel liegen bereit, daneben kleine bunte Schälchen und Hocker davor. Eszter Eszes hat die kleine Spielstrecke aufgebaut. Wenig später bewegt sich jeweils ein Kind oder Jugendlicher von Hocker zu Hocker und sortiert jeweils so viele bunte Stäbchen in die Schälchen wie der Würfel Augen zeigt.
"Mit solchen Übungen können wir die körperliche und geistige Beweglichkeit schulen", erklärt die Ungarin. Sie ist eine von drei Therapeuten, Konduktorinnen genannt, die an den noch bis Freitag laufenden Förderwochen des Vereins Ponte Kö teilnehmen. In Budapest arbeitet die junge Frau mit dem Doppeldiplom als Konduktorin und Grundschullehrerin in einem integrativen Kindergarten. Nun ist sie für drei Wochen in Weißenfels, um körperlich und geistig behinderte junge Menschen, die mit frühkindlichen Hirnschäden geboren wurden, auf spezielle Weise zu fördern.
Es sind Jubiläumswochen im Weißenfelser Therapiezentrum in der Seumestraße 35. Denn der Verein, der sich offiziell den sperrigen Namen "Mitteldeutscher Petö Förderverein Ponte Kö" gegeben hat, bietet sie in diesem Sommer zum 40. Mal an. Drei Mal im Jahr steht die Blocktherapie auf dem Programm. Und weil die Methode des ungarischen Neurologen András Petö (1893-1967) die Grundlage ist, reisen die Spezialisten aus Ungarn an. Die zehn Kinder und Jugendlichen aus Mitteldeutschland wohnen während dieser Zeit mit ihren Eltern in behindertengerechten Ferienwohnungen in Weißenfels. "Wir wollen praktische Fähigkeiten für den Alltag vermitteln, damit die jungen Leute ihr Leben weitgehend selbstbestimmt bewältigen können", so der Vereinsvorsitzende Wolfgang Tiedtke zum Grundanliegen der Förderwochen.
Ehrenamtler des Vereins sorgen dafür, dass während dieser Zeit alles reibungslos läuft. So wie Carla Löther und Tochter Sandra. "Sie gehören zu den guten Geistern im Hintergrund", so Tiedtke. Mit einem Blumenstrauß bedankte er sich am Rande der Therapiewochen für deren uneigennütziges Engagement.
Überhaupt kann der Verein mittlerweile auf eine Vielzahl von Unterstützern und Förderern bauen. Gerade in diesen Tagen konnte der Vorsitzende zahlreiche Schecks von Kreditinstituten und anderen Spendern entgegen nehmen. Geld, das vor allem für die Anschaffung von Therapiegeräten und die Unterhaltung der Vereinsräume in der Seumestraße verwendet wird.
Da bot eine Festveranstaltung anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Vereins im Wohnpark "Am Töpferdamm" den geeigneten Rahmen für einen offiziellen Dank. Freunde und Wegbegleiter hatten sich dort am Montag im Festzelt versammelt, um gemeinsam mit Akteuren der Kommunalpolitik und der Wirtschaft sowie vor allem den Teilnehmern der Förderwochen auf nicht einfache Jahre zurückzublicken (siehe Beitrag "Von Bad Kösen nach Weißenfels"). Immerhin muss sich der Verein bis heute einem gewissen Misstrauen gegenüber der Fördermethode stellen. Noch immer hat die Petö-Methode, die Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Pädagogik in sich vereint, keine Aufnahme in den Heilmittelkatalog der Krankenkassen gefunden. Die Eltern müssen die Kosten der Therapie für ihre Kinder selbst tragen oder sich bei einer Stiftung um finanzielle Unterstützung bemühen.
Dass sich dank der regelmäßigen Förderwochen die Lebensqualität ihres behinderten erwachsenen Sohnes in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, darüber berichtete während der Festveranstaltung die frühere Vereinsvorsitzende Annelie Herrmann. Erfahrungen ganz im Sinne des heutigen Vereinschefs, der das Grundanliegen von Ponte Kö in seiner Jubiläumsrede so auf den Punkt brachte: "Wir wollen jenen Wege ebnen, die sie nicht so leicht gehen können wie wir."