Vor dem Haus Nummer 44 entsteht derzeit ein Behindertenparkplatz. (FOTO: MZ)
"Da hätte man ja schon fast eine Demonstration anmelden können", flachste Maik Trauer, Fachbereichsleiter der Stadt Weißenfels, unmittelbar nachdem sich am vergangenen Montagmittag ein Tross von gut 20 Personen auf den Weg durch die Weißenfelser Südstadt gemacht hatte. Sie alle wollten wissen, wie es um die Barrierefreiheit in der Plattenbausiedlung steht. Und um es vorwegzunehmen: Nach Meinung vieler Betroffener offenbar gar nicht mal so schlecht.
"Ich habe hier nur so an drei, vier Stellen ein Problem mit Bürgersteigen, aber ansonsten kann ich mich hier gut fortbewegen", sagte Klaus Müller, der nach einer Beinamputation im Rollstuhl sitzt und in Süd wohnt. "Allerdings habe ich Motorunterstützung. Alte Leute mit Rollator und vielleicht schweren Einkäufen haben da sicherlich größere Probleme als ich", spricht Müller die Sorgen anderer an. Doch dann kommt die Gruppe an die ersten Problemstellen. Während das Ärztehaus noch ideal für Behinderte ist, hat Müller ein Problem mit einer fehlenden Abflachung auf dem nachfolgenden Bürgersteig. Trauer: "Es sollte kein Problem sein, hier schnell eine Lösung zu finden."
Wesentlich schwieriger gestaltete sich für den Fachbereichsleiter eine Beurteilung des unmittelbar folgenden Straßenübergangs in Richtung Stadtwerke. "Hier kann ich manchmal nur mit Angstschweiß rüber, manche Autofahrer kommen ziemlich schnell um die Kurve und sehen mich dann erst recht spät", meinte Müller. Trauer war dagegen der Meinung, dass der vorhandene Standort für den Übergang schon der bestmögliche sei, allerdings in einer wenig übersichtlichen Ecke, wie er zugab.
Nur kleinere Sorgen bei der Begehung hatte auch Axel Lorenz aus Naumburg. Er ist Regionalleiter des Behindertenbeirates im Bereich Naumburg-Nebra und seit seiner Geburt blind. "Man versucht den kürzesten Weg über die Straße zu finden, aber das ist hier nicht ganz so einfach. Bei den teilweise nicht vorhandenen, durchgehenden Fußwegen ist es schwierig, den jeweiligen Anschluss zu finden", so Lorenz, der von seiner Frau Heike geführt wurde. An einer Stelle waren dann nach Meinung von Lorenz die Sperrblöcke für Autofahrer nicht ideal. Breite aber flache Steine, die konturlos zum Wegbelag sind. "Auch hier werden wir schnell eine unkomplizierte Lösung finden", kündigte Trauer an. Er werde die Stadtwirtschaft beauftragen, die Steine mit einem umlaufend weißen Streifen zu versehen. Damit könnten dann wenigstens Sehbehinderte die Barrieren eher bemerken.
Die Begehung hatte Steffi Hosemann, Regionalsprecherin des Behindertenbeirats in Weißenfels, initiiert. Sie freute sich, dass neben verschiedenen Anwohnern und Beiratsmitgliedern auch die Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG), Martin Neumann, und der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH (WVW), Kathleen Schechowiak, gekommen waren, um über neueste Entwicklungen ihrer Unternehmen zu berichten. So wurde von der WBG in der jüngsten Vergangenheit an diversen Blöcken Erde aufgeschüttet an der Balkonseite, so dass Terrassen entstanden, über die die Wohnungen begehbar wurden. Teilweise wurden in diesen Wohnungen auch die Badezimmer behindertengerecht ausgebaut, so dass insgesamt knapp 70 barrierefreie Wohnungen entstanden sind.
Diesem Beispiel wird auch die WVW folgen, "doch erst einmal müssen wir uns um den Abriss einiger Blöcke kümmern", sagte Schechowiak. Sie machte darauf aufmerksam, dass noch in diesem Jahr vor dem Haus Nummer 136 eine große Rampe für Rollstuhlfahrer gebaut werden soll.