Autobau: EU nimmt Porsche ins Visier

11.07.2012 20:37 Uhr | Aktualisiert 11.07.2012 21:00 Uhr
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Porsche-Mitarbeiter

Porsche-Mitarbeiter montieren im Leipziger Werk die Sportlimousine Panamera. Das Luxusauto findet weltweit viele Käufer. (ArchivFOTO: DPA)

Die Europäische Kommission wird die geplante Regionalbeihilfe für den Autobauer Porsche für den Ausbau des Leipziger Werkes eingehend prüfen. Die Frage sei, ob die staatliche Förderung als Investitionsanreiz notwendig und angemessen sei, teilte die Kommission am Mittwoch mit.
Brüssel/Leipzig/RTR/MZ/sth. 

Porsche will sein neues Geländewagen-Modell Macan in Leipzig produzieren und plant dafür Investitionen von 520 Millionen Euro. Die öffentliche Hand will den Angaben aus Brüssel zufolge das Vorhaben mit knapp 44 Millionen Euro unterstützen. Es ist das erste Mal, dass der Sportwagenbauer für einen Werksbau staatliche Hilfe in Anspruch nimmt. Vorherige Investitionen wurden komplett aus der Firmenkasse bezahlt (die MZ berichtete). Die EU-Kommission wird nun untersuchen, ob die Beihilfe Anreize für Investitionen in der Region schafft. Die Behörde wird zudem prüfen, ob dadurch die regionale Wirtschaft so stark gefördert wird, dass die Wettbewerbsverzerrung zugunsten von Volkswagen-Porsche zumutbar ist.

Volkswagen hatte vor einer Woche angekündigt, die monatelange Hängepartie um das weitere Vorgehen bei Porsche durch die Übernahme der übrigen 50,1 Prozent des operativen Sportwagengeschäfts der Stuttgarter zu beenden. 49,9 Prozent gehören den Wolfsburgern schon. Wohl bereits zum 1. August will VW die noch fehlenden Aktien erwerben. Dafür zahlt der Autobauer rund 4,46 Milliarden Euro in bar.

Ein Porsche-Sprecher blieb in Bezug auf das Beihilfeverfahren gelassen: Die Investitionen brächten 1 000 Arbeitsplätze nach Sachsen und seien deshalb wichtig für die Region. "Für uns ändert sich nichts an dem Prozess." Die Prüfung verzögere aber die Genehmigung des Antrags auf Förderung.

In einem ähnlichen Verfahren prüft die EU-Kommission bereits seit Juli 2011 staatliche Beihilfen für Investitionen des VW-Konzerns in sein Werk im sächsischen Zwickau. Auch die staatliche Förderung der Motorenproduktion der VW-Tochter Audi in Ungarn nimmt die EU derzeit unter die Lupe.

Wirtschaftlich läuft es für Porsche derzeit weiter blendend. Der Staatsschuldenkrise in Europa zum Trotz verkaufte der Sportwagenbauer im ersten Halbjahr weltweit über 69 000 Fahrzeuge. Dies ist ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Vor allem in Europa (26 000 Fahrzeuge) und China (15 274) steigen die Verkäufe zweistellig an. In den USA wurden rund 19 200 Porsche abgesetzt, dies ist immerhin noch ein Plus von vier Prozent.

Gefragt waren einmal mehr besonders stark die in Leipzig montierten Modelle Cayenne und Panamera. Vom Geländewagen wurden 34 700 Stück verkauft - plus 15,5 Prozent. Die Sportlimousine Panamera kommt mit 15 601 ausgelieferten Modellen sogar auf eine Steigerung von 25,3 Prozent. Insgesamt geht Porsche für 2012 von einem zweistelligen Absatzwachstum aus.