Berlin: Hauptstadtflughafen soll am 17. März 2013 öffnen

17.05.2012 12:32 Uhr | Aktualisiert 17.05.2012 20:00 Uhr
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Flughafen in Schönefeld

Eröffnung erst einmal verschoben: Bis auf Weiteres lohnt die Fahrt zum neuen Berliner Flughafen in Schönefeld nicht. (FOTO: DPA)

Von Jürgen Schwenkenbecher
Nach der geplatzten Eröffnung in diesem Juni soll der neue Hauptstadtflughafen nun am 17. März 2013 in Betrieb gehen. Das beschloss der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde.
Berlin/MZ. 

Klaus Wowereit ist einer der ersten Beteiligten, als er am Mittwochmorgen in einer schwarzen Limousine auf die Baustelle des Hauptstadtflughafens rollt. Für elf Uhr hat Berlins Regierender Bürgermeister in seiner Funktion als Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats den Projektausschuss einberufen. Der Ausschuss soll die Sitzung des Aufsichtsrats vorbereiten, die für den Nachmittag angesetzt ist.

SPD-Mann Wowereit will die Sache hinter sich bringen, die vor gut einer Woche über ihn hereingebrochen ist. Er weiß, dass es ein langer Tag werden wird. Die verpatzte Flughafeneröffnung ist wohl die größte Pleite seiner Regierungszeit. Schon im Juni 2010 und peinlich genug musste der Aufsichtsrat die zunächst für Oktober 2011 geplante Eröffnung verschieben. Neuer Termin: der 3. Juni 2012. Jede Frage, ob der 3. Juni zu halten sei, nervte Wowereit sichtlich. Bis zum 8. Mai, als er seinen Irrtum eingestehen musste.

Im Projektausschuss müssen sich Flughafenchef Rainer Schwarz und der für den Bau zuständige Geschäftsführer Manfred Körtgen kritische Fragen stellen lassen. Der Tagungsort, ein Container der Bauüberwachung auf dem Flughafengelände, ist mit Bedacht gewählt. Die Ausschussmitglieder sollen sich selbst ein Bild von der Baustelle machen können. Vor allem bleibt hinter dem Bauzaun die Öffentlichkeit ausgesperrt. Die ersten Journalisten versammeln sich am Vormittag am Bahnhof Schönefeld. Irgendwann nach 18 Uhr soll die Presse informiert werden, heißt es.

Bis 15.30 Uhr treffen auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die anderen Aufsichtsratsmitglieder ein. In der Feuerwache Ost, die schon in Betrieb ist, geht es jetzt richtig los. Im schmucklosen Konferenzraum soll geklärt werden, wie die Pannen mit der Brandschutzanlage im Terminal behoben werden können.

Im Laufe des Nachmittags und Abends treffen auch Projektplaner, Vertreter von Baufirmen und der Fluggesellschaften Lufthansa, Air Berlin und Easyjet ein. Sie müssen in den Büros der Feuerwache warten, bis sie hineingerufen und befragt werden. Auch Schwarz und Körtgen geben immer wieder Auskunft. Punkt für Punkt arbeitet der Aufsichtsrat die letzte Controllingliste ab, bei der so viele Einzelprojekte mit einer gelben Ampel als kritisch gekennzeichnet waren. Genau wird geklärt, wann und wie jedes Einzelproblem gelöst werden kann. Es darf nichts mehr schief gehen. Der neue Eröffnungstermin muss stehen, diesmal wirklich.

Immer wieder legt der Aufsichtsrat Pausen ein. Dreimal muss Verpflegung nachbestellt werden: Suppe, Schnittchen und Buletten, dazu Rotwein, Bier und Alkoholfreies. Derweil langweilen sich die Journalisten im provisorischen Pressezentrum. Gegen 23 Uhr schließlich kommt das Signal vom Aufsichtsrat, dass an diesem Tag mit Ergebnissen nicht mehr zu rechnen sei.

Gegen zwei Uhr am Donnerstagmorgen packen die Aufsichtsratsmitglieder ihre Sachen. Sie haben es geschafft, sind aufgekratzt. Körting ist gefeuert, weil er die Probleme nicht rechtzeitig gesehen und kommuniziert habe. Der Vertrag mit dem Planungsbüro, zu der das renommierte Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner gehört, wird gekündigt. Sie waren auch für die technische Ausstattung einschließlich Brandschutz zuständig. Schnell verlassen die Sitzungsteilnehmer am westlichen Ausgang das Gelände. Ein Teil des Aufsichtsrats, darunter Wowereit und Platzeck, legt noch einen Halt an einer Dorfkneipe ein. Es dämmert fast, als sie nach Hause aufbrechen.

Donnerstag Mittag geben Wowereit, Platzeck, Flughafenchef Schwarz und Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Auskunft. Ein früherer Eröffnungstermin als der 17. März 2013 sei nicht möglich, sagt Wowereit. Erst vor wenigen Tagen hat das Bauamt von Dahme-Spreewald der Flughafengesellschaft mitgeteilt, dass ein Antrag für die Nutzung des Terminals „mit Interimsmaßnahmen“ nicht zum Erfolg führen werde. Anders ausgedrückt: Provisorien werden nicht geduldet.

„Ich will weiterhin für den Flughafen kämpfen“, sagt Schwarz. Ende Dezember soll das Terminal nun fertig sein. Dann folgen die technischen Abnahmen, danach, vielleicht ab Februar, sollen noch zehn weitere Massentests stattfinden.

Eine Mitschuld des Aufsichtsrats sieht Wowereit nicht. „Wir sind unserer Verantwortung nachgekommen“, sagt er und das sagt auch Platzeck. Die Welt ist für sie schon fast wieder in Ordnung.