Der Elektrokonzern Siemens belohnt Mütter mit einem Betreuungszuschuss, wenn sie ihre Babypause klein halten. (FOTO: DPA)
Es geht auch anders. Staatliches Betreuungsgeld für Eltern entzweit derzeit Politik und Republik. Ein Großkonzern wie Siemens wählt indessen einen entgegengesetzten Weg zur sogenannten Herdprämie und hat allem Anschein nach Erfolg damit. Der Münchner Technologieriese zahlt hier zu Lande den Eltern in seiner Belegschaft seit eineinhalb Jahren Geld dafür, dass sie ihren Nachwuchs von einer Tagesmutter oder in einer Krippe betreuen lassen und somit weiter als Arbeitskraft zur Verfügung stehen. "Das kommt außergewöhnlich gut an", sagt Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer über das Zuschussmodell, das mittlerweile den Ruf einer Anti-Herdprämie genießt.
Abgestuftes Modell
Es ist zweistufig. Bis zur Schulpflicht eines Kindes, also maximal sechs Jahre lang, zahlt Siemens arbeitenden Eltern seit 2011 monatlich steuerfrei einen Betreuungszuschuss von 100 Euro. Seit diesem Jahr können Siemens-Eltern zusätzlich eine Prämie von monatlich 500 Euro beanspruchen, wenn sie innerhalb der ersten 14 Monate ihrer Elternzeit nach Geburt des Nachwuchses als Teilzeitkraft vorzeitig in den Betrieb zurückkommen. Entsprechende Kosten müssen jeweils nachgewiesen werden.
"Wir haben sehr lange gefordert, dass die Firmenseite die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördert, viele Frauen wollen beides", sagt ein Sprecher des Siemens-Gesamtbetriebsrats. Es sei sinnvoll in Betreuungsangebote zu investieren, gerade auch mit Blick auf Alleinerziehende.
Allein die 100-Euro-Prämie wurde voriges Jahr von gut 6 000 Eltern nachgefragt, was Siemens gut zehn Millionen Euro gekostet hat, bilanziert Ederer. Zur 500 Euro-Prämie gibt es noch keine Zahlen. Je länger Eltern wegen Kindern vom Arbeitsplatz weg sind, desto schwerer wird es, beruflich wieder anzuknüpfen, weiß die Personalchefin. "Ein Grund, warum sie nicht zurückkommen, ist mangelnde Kinderbetreuung", bedauert sie und will das ändern. Begrenzt oder gedeckelt wird der Prämientopf deshalb trotz der steigenden Millionensummen nicht. Wenn man Personal und Know-how halten kann, rechtfertige das die Kosten.
Siemens und andere Arbeitgeber machen die Erfahrung, dass vor allem Mütter, die einmal in Elternzeit gehen und ihren Nachwuchs zuhause selbst betreuen, oft gar nicht mehr in ihren Job zurückgehen. "Wir verlieren dadurch einen Teil der jungen Frauen für immer", bedauert Ederer. Das verhindern die Prämien. Sie stehen allen Eltern mit Betreuungskosten unter den 128 000 Siemensianern in Deutschland zu.
Eigene Kita-Plätze
Zusätzlich stocken die Münchner bis 2015 die Zahl der betriebsinternen Kinderbetreuungsplätze von heute 800 auf 2 000 auf. So etwas gibt es mittlerweile in einigen deutschen Konzernen, die am Arbeitsplatz familienfreundlicher werden wollen. Prämien wie bei Siemens sind aber zumindest eine Rarität.
Bei der IG Metall kennt man jedenfalls kein zweites Beispiel und findet lobende Worte. "Das ist zu befürworten und ein interessantes Modell zur Sicherung von Fachkräften", sagt ein Gewerkschaftssprecher und spricht ihm Vorbildcharakter zu.