Ein LKW fährt über ein Unterführungsbauwerk im Tagebau Vereinigtes Schleenhain am Dienstag (08.05.2012) in Neukieritzsch (Kreis Leipzig). (FOTO: DPA)
Baubeginn an der B176: Zwischen den
Ortschaften Neukieritzsch und Groitzsch südlich von Leipzig wird die
Bundesstraße verlegt. Sie muss dem Braunkohlentagbau Vereinigtes
Schleenhain weichen, der das Kraftwerk Lippendorf versorgt. Noch
führt die Trasse haarscharf am Tagebau vorbei. Am Dienstag haben die
Bauarbeiten für die Verlegung eines 6,8 Kilometer langen Teilstücks
begonnen. Im September 2013 soll die Straße fertig sein.
Entlang des neuen Trassenstücks werden laut Mibrag ein Rad- und
Gehweg gebaut sowie eine Trinkwasserleitung verlegt. Laubfrösche und
Wechselkröten wurden umgesiedelt, ebenso die geschützten Pflanzen
Golddiestel und Tausengüldenkraut. Das Unternehmen machte keine
konkreten Angaben, wie teuer das Projekt ist. Ein zweistelliger
Millionenbetrag werde investiert, hieß es.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Mibrag - mit Hauptsitz im
sachsen-anhaltischen Zeitz - mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich
aufmerksam macht. Gegenüber von Neukieritzsch auf der anderen Seite
des Tagebaus lag die Gemeinde Heuersdorf. Sie musste als 24.
Ortschaft der Region der Braunkohle weichen. Die Bewohner wurden
umgesiedelt, die Häuser abgerissen. Nur die Emmauskirche blieb
erhalten. Mit einem Spezialfahrzeug wurde die mehr als 750 Jahre alte
Wehrkirche ins zwölf Kilometer entfernte Borna versetzt, wo sie seit
2008 zahlreiche Besucher anzieht.
Rund 11 Millionen Tonnen Rohbraunkohle kommen pro Jahr aus dem
Tagebau Vereinigtes Schleenhain, der das Kraftwerk Lippendorf
versorgt. In Sachsen-Anhalt betreibt die Mibrag den Tagebau Profen.
Zusammen liegt die jährliche Fördermenge etwa bei 20 Millionen
Tonnen. Das sind laut Mibrag etwa 10 Prozent der Gesamtförderung in
Deutschland.
Trotz Atomausstiegs und des Vormarsches der erneuerbaren Energien hält die Mibrag am geplanten Bau eines neuen Kohlekraftwerkes für 1,43 Milliarden Euro fest. Ein modernes Werk nach höchstem Umweltstandard dürfte der Mibrag Kosten sparen, denn das Unternehmen muss für seine alten Kraftwerke für Emissionsrechte zahlen. 2010 waren das 21 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen lag bei rund 66 Millionen Euro.