Braunkohle: Mibrag verlegt Bundesstraße für Tagebau

08.05.2012 07:42 Uhr | Aktualisiert 08.05.2012 13:55 Uhr
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Unterführungsbauwerk

Ein LKW fährt über ein Unterführungsbauwerk im Tagebau Vereinigtes Schleenhain am Dienstag (08.05.2012) in Neukieritzsch (Kreis Leipzig). (FOTO: DPA)

Noch führt die Bundesstraße 176 haarscharf am Tagebau Vereinigtes Schleenhain vorbei. Doch unter der Straße lagert Braunkohle. Um da heranzukommen, lässt der Kohleförderer Mibrag die B176 verlegen. Der Tagebau versorgt das Kraftwerk Lippendorf mit Rohbraunkohle.
Neukieritzsch/dpa. 

Baubeginn an der B176: Zwischen den Ortschaften Neukieritzsch und Groitzsch südlich von Leipzig wird die Bundesstraße verlegt. Sie muss dem Braunkohlentagbau Vereinigtes Schleenhain weichen, der das Kraftwerk Lippendorf versorgt. Noch führt die Trasse haarscharf am Tagebau vorbei. Am Dienstag haben die Bauarbeiten für die Verlegung eines 6,8 Kilometer langen Teilstücks begonnen. Im September 2013 soll die Straße fertig sein.

Entlang des neuen Trassenstücks werden laut Mibrag ein Rad- und Gehweg gebaut sowie eine Trinkwasserleitung verlegt. Laubfrösche und Wechselkröten wurden umgesiedelt, ebenso die geschützten Pflanzen Golddiestel und Tausengüldenkraut. Das Unternehmen machte keine konkreten Angaben, wie teuer das Projekt ist. Ein zweistelliger Millionenbetrag werde investiert, hieß es.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Mibrag - mit Hauptsitz im sachsen-anhaltischen Zeitz - mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam macht. Gegenüber von Neukieritzsch auf der anderen Seite des Tagebaus lag die Gemeinde Heuersdorf. Sie musste als 24. Ortschaft der Region der Braunkohle weichen. Die Bewohner wurden umgesiedelt, die Häuser abgerissen. Nur die Emmauskirche blieb erhalten. Mit einem Spezialfahrzeug wurde die mehr als 750 Jahre alte Wehrkirche ins zwölf Kilometer entfernte Borna versetzt, wo sie seit 2008 zahlreiche Besucher anzieht.

Rund 11 Millionen Tonnen Rohbraunkohle kommen pro Jahr aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain, der das Kraftwerk Lippendorf versorgt. In Sachsen-Anhalt betreibt die Mibrag den Tagebau Profen. Zusammen liegt die jährliche Fördermenge etwa bei 20 Millionen Tonnen. Das sind laut Mibrag etwa 10 Prozent der Gesamtförderung in Deutschland.

Trotz Atomausstiegs und des Vormarsches der erneuerbaren Energien hält die Mibrag am geplanten Bau eines neuen Kohlekraftwerkes für 1,43 Milliarden Euro fest. Ein modernes Werk nach höchstem Umweltstandard dürfte der Mibrag Kosten sparen, denn das Unternehmen muss für seine alten Kraftwerke für Emissionsrechte zahlen. 2010 waren das 21 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen lag bei rund 66 Millionen Euro.