Gebündelte Euroscheine in einer Bank. (FOTO: DPA)
Am Mittwoch begab die Finanzagentur des Bundes Bundesschatzbriefe über 4,6 Milliarden Euro mit einem Kupon von null Prozent. "Deutsche Staatspapiere sind keine festverzinslichen Wertpapiere mehr", scherzt Christophe Bernard von der Schweizer Bank Vontobel. "Fest sind sie schon - aber nicht mehr verzinslich."
Die Nachfrage nach den Papieren war dennoch groß. Die Bundesregierung erhielt von Banken Gebote über 7,7 Milliarden Euro. Da die Schatzbriefe mit einem leichten Abschlag verkauft wurden, errechnet sich für Anleger eine Mini-Rendite von 0,07 Prozent. Unterm Strich machen die Gläubiger derzeit jedoch ein Minus-Geschäft, wenn sie der Bundesrepublik Geld leihen. Denn von der geringen Rendite muss noch die Inflationsrate abgezogen werden. Sie liegt derzeit über zwei Prozent.
Dass Anleger reale Verluste hinnehmen, um ihr Geld nach Deutschland zu tragen, liegt an der Verschärfung der Euro-Krise. Viele Investoren wollen oder müssen in Euro anlegen - und da gibt es derzeit keine sicherere Adresse als die Bundesregierung. Deutschlands niedriges Haushaltsdefizit und starkes Wirtschaftswachstum ziehen daher Fluchtgeld aus ganz Europa an.
Andere Investoren setzen darauf, dass sich die Euro-Krise weiter zuspitzt und dadurch immer mehr Geld in deutsche Anleihen fließt. Dies würde den Kurs der Anleihen in die Höhe treiben, und sie könnten mit Gewinn verkauft werden. Zudem spekulieren einige Anleger über Bundesanleihen auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone: Sollte die Währungsunion sich auflösen, so hielten Deutschlands Gläubiger Wertpapiere in D-Mark oder einem noch zu schaffenden Nord-Euro - also in einer Währung, die gegenüber den anderen Währungen stark aufwerten würden. Diese Aufwertung wäre der Gewinn der Anti-Euro-Spekulanten.
Großer Profiteur der Mini-Zinsen ist zum einen der Staat. Im laufenden Jahr muss sich Finanzminister Wolfgang Schäuble 252 Milliarden Euro leihen, um Altschulden zu tilgen und die Neuverschuldung zu finanzieren. Diese Kreditaufnahme wird für ihn immer billiger. Für zweijährige Bundesschatzbriefe zum Beispiel musste er in den beiden vergangenen Jahrzehnten den Anlegern im Schnitt rund vier Prozent Zinsen bieten. Nun sind es null Prozent. Laut Deutscher Bank lag der durchschnittliche Zins, den die Bundesregierung auf ihre Schulden zahlen muss, 2008 noch bei 4,4 Prozent, für dieses Jahr seien es nur noch 3,5 Prozent. Dies entspreche einer Ersparnis von rund zehn Milliarden Euro in diesem Jahr.
Mit den sinkenden Zinsen werden Haushaltsmittel für andere Zwecke frei: Noch vor vier Jahren gab die Bundesregierung fast 15 Prozent ihres Budgets für Zinszahlungen aus, inzwischen liege diese Quote bei 11,5 Prozent, errechnete Oliver Rakau von der Deutschen Bank.