Mit ungeschickten Gesten und deutlichen Worten eckte Ackermann selbst immer wieder an. 2004 reckte er im Gerichtssaal des Mannesmann- Prozesses grinsend zwei Finger zum Siegeszeichen empor. (FOTO: DPA)
So unterschiedlich kann der letzte Arbeitstag zweier Männer im Dienste der Deutschen Bank ausfallen: Als Aufsichtsratsmitglied Tilman Toden-höfer die Verdienste von Chefkontrolleur Clemens Börsig vor schätzungsweise 7000 Aktionären würdigt, kommt in der Frankfurter Festhalle nur zögerlicher Applaus auf.
Als Börsig Minuten zuvor die strategische Weitsicht von Vorstandschef Josef Ackermann pries und ihm zuschrieb, dass die Deutsche Bank „als Gewinnerin aus der Finanzkrise hervor gegangenen ist“, entstand im Publikum lebhafter Beifall. Der Großteil der Eigentümer erhob sich sogar von den Plätzen. Ackermann freute sich, wirkt sichtlich gerührt. Aktionärsschützer Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), erinnert daran, wie er anfangs gefremdelt hat mit Ackermann, als dieser in einem Atemzug einen Rekordgewinn und einen massiven Arbeitsplatzabbau ankündigte, als er eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zum Maß aller Dinge erklärte und im Mannesmann-Prozess mit dem Victory-Zeichen für negative Schlagzeilen sorgte. Zusehends habe er den Schweizer jedoch schätzen gelernt. Als Krisenmanager, Gesprächspartner der Politik und Finanzfachmann. Ein Gewinn von zusammen 27,8 Milliarden Euro und eine Dividende von zehn Milliarden Euro in den zehn Jahren mit Ackermann als Vorstandschef könne sich sehen lassen: „Das hat die Commerzbank nicht einmal seit Ende des Krieges geschafft.“
Auch Ackermann selbst zieht eine positive Bilanz. Er hinterlasse seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine Bank, die „im Hinblick auf Gewinn, wie Stabilität und soziale Verantwortung zur Weltspitze gehört“, sagt er - und verbindet damit kurz und knapp die „besten Wünsche“ an die neuen Chefs, die nicht zu seinen Wunschkandidaten zählten. Dafür dankt er ausführlich seinen Vorstandskollegen Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti.
Ungewohnt selbstkritisch gesteht Ackermann ein, den eigenen ethischen Grundsätzen „in den Jahren des allgemeinen Überschwangs vor der Finanzkrise nicht immer voll gerecht geworden zu sein“. Er spricht über Geschäfte mit Streubomben-Herstellern und über Anlageprodukte, die der Deutschen Bank den Vorwurf eingebracht haben, an Spekulationen mit Nahrungsmitteln zu verdienen. Er nimmt aber auch für sich in Anspruch, noch vor seinem Abschied von der Bank umgesteuert zu haben. Die Aktionäre quittieren das mit Beifall. Bei den Globalisierungskritikern von Attac hat er es sich allerdings verscherzt. „Ackermanns Vermächtnis: Steuerflucht, Waffenhandel, Zocken mit Nahrungsmitteln“, steht auf einem ihrer Banner.
Doch Ackermann steht heute nicht im Fokus der Kritik. Auch wenn Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger (VIP) den Börsenwert der Deutschen Bank beklagt, der lediglich noch „so groß wie der Verlust von Facebook in einer Woche“ sei: Anstatt für Ackermann wird es ungemütlich für Aufsichtsratschef Börsig, dem ein Zerwürfnis mit Ackermann nachgesagt wird. Ihm und dem gesamten Kontrollgremium droht zeitweise, nicht entlastet zu werden.
Die Nachfolgersuche für Ackermann sei von „internen Auseinandersetzungen geprägt“ gewesen, bemängelt Hans-Christoph Hirt vom britischen Aktionärsberater Hermes. „Das war weder Leistung noch Leidenschaft“, sagt Aktionärsschützer Nieding in Anspielung an den Werbeslogan der Deutschen Bank. VIP-Sprecher Buhlmann verlangt von dem Kontrollgremium gar, höhere Tantiemen zu verzichten: „Spenden Sie das Geld, sie haben es nicht verdient.“