Drogerie-Kette: Karstadt-Retter greift nach Schlecker

25.05.2012 16:38 Uhr | Aktualisiert 25.05.2012 22:21 Uhr
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Schlecker

Ein leerer Warenkorb steht in einer bereits geschlossenen Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker. (FOTO: DAPD)

Von Frank-Thomas Wenzel
Im Sommer 2010 tauchte plötzlich Nicolas Berggruen als Retter der insolventen Warenhauskette Karstadt auf. Am Freitag bestätigte einer seiner Sprecher, dass der deutsch-amerikanische Investor sein „Interesse“ an der Drogeriemarktkette Schlecker bekundet habe.
Ehingen/MZ. 

Wiederholt sich die Geschichte? Im Sommer 2010 tauchte plötzlich Nicolas Berggruen als Retter der insolventen Warenhauskette Karstadt auf. Am Freitag bestätigte einer seiner Sprecher, dass der deutsch-amerikanische Investor sein „Interesse“ an der Drogeriemarktkette Schlecker bekundet habe. Die ist auch insolvent und derzeit in einer ähnlich verzweifelten Lage wie Karstadt seinerzeit.

Berggruen ließ seinen Vorstoß just an dem Tag öffentlich machen, als der Gläubigerausschuss von Schlecker zu einer wichtigen Sitzung an einem geheimen Ort zusammen kam – und sich schließlich auf den 1. Juni vertagte, weil keines der vorliegenden Angebote als belastbar bewertet wurde. Die verbliebenen 13 500 Beschäftigten müssen weiter bangen. Kommt nun der Retter in letzter Minute? „Wir begrüßen, dass Herr Berggruen bei Schlecker dabei ist“, sagte eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Natürlich sei man aber auch für alle anderen Investoren offen. Gleichwohl unterhalten die Gewerkschafter freundschaftliche Beziehungen zu Berggruen. Sie haben gute Erfahrungen mit ihm bei der Sanierung des Möbelbauers Schieder gemacht. Sie haben ihn als Retter von Karstadt gefeiert und verteidigen ihn vehement gegen Kritiker.

Berggruen soll sich erst seit zwei Wochen für Schlecker interessieren. Dass er erst so spät einsteigt, dürfte kein Zufall sein. So hat er es nicht nur bei Karstadt, sondern auch bei seiner Ende 2011 letztlich gescheiterten Offerte für die Kaufhof-Warenhäuser praktiziert. Berggruen und seine Manager setzen auf den Überraschungseffekt. Sie sind Experten für Unternehmen in schwerer Schieflage, die kurz vor dem Aus stehen, und haben es immer wieder geschafft, in harten Verhandlungen günstige Konditionen für ihre Deals auszuhandeln. Schlecker ist ein ganz besonders harter Fall: „Ich sehe keine Alternative zu einer Zerschlagung“, sagt Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms. Auf dem deutschen Drogeriemarkt gebe es erhebliche Überkapazitäten. Die Branche werde beherrscht von zwei extrem starken Ketten: Rossmann und dm. Hinzu kämen mehrere regionale Anbieter wie Budnikowsky oder die Müller-Drogeriemärkte. Schlecker verfüge noch immer über zu viele Standorte in schlechten Lagen. Eine drastische Reduzierung ihrer Zahl hält er für unumgänglich. „Nach meiner Einschätzung sind von den deutschen Schlecker-Filialen nur 200 überlebensfähig.“

Der einst von Gründer Anton Schlecker allein geführte Konzern musste Ende Januar seine Zahlungsunfähigkeit erklären. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz einigte sich mit Arbeitnehmervertretern und Gläubigern Mitte März darauf, die rund 2 000 unrentabelsten Filialen zu schließen. 3 200 Geschäfte blieben übrig. Seither hat sich wenig getan. Geiwitz’ Suche nach Investoren blieb bislang erfolglos. Investoren sprangen reihenweise ab. In dieser Woche gab auch das Emirat Katar dem Insolvenzverwalter endgültig einen Korb. Insider gehen davon aus, dass die Kette jeden Tag einen sechsstelligen Betrag verliert.