Anton Schlecker, Gründer der Schlecker-Drogeriemärkte, steht im Februar 1999 im Landgericht in Ulm als Zeuge vor der Strafkammer. (ARCHIVFOTO: DAPD)
Das Drama um den gescheiterten Großdrogisten Anton Schlecker hat einen weiteren Höhepunkt erreicht. Jetzt setzt ihm auch noch die Justiz zu. Wenn es für den Geschäftsmann schlecht läuft, dann muss er hinter Gitter – es droht eine Höchststrafe von fünf Jahren.
Gestern ging die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit einem Großaufgebot gegen den Schlecker-Gründer, seine Kinder Meike und Lars sowie mutmaßlich gegen frühere Manager vor. 160 Polizisten und neun Staatsanwälte waren im Einsatz. Bei den Razzien wurde 18 Wohnungen und vier Geschäftsräume in mehreren Bundesländern durchsucht. Die Beamten beschlagnahmten Unterlagen in der Konzernzentrale sowie in der Villa der Familie im schwäbischen Ehingen und in der Verwaltung der Tochter Ihr Platz in Osnabrück.
Vermögen beiseite geschafft?
„Wir hatten genügend Anhaltspunkte für die Durchsuchungen“, sagte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Die ersten routinemäßigen Ermittlungen wurden bereits Ende Januar gestartet, als die einst größte Drogeriekette Europas ihre Zahlungsunfähigkeit erklären musste. Der Tatverdacht habe sich inzwischen erhärtet. Konkrete Namen der Beschuldigten nennt die Staatsanwaltschaft nicht. Sie spricht lediglich von 14 Verantwortlichen. Klar ist aber, dass der Vorwurf auf Insolvenzverschleppung, Bankrott und Untreue lautet.
Dabei dürfte die rechtliche Lage ziemlich vertrakt sein. Das hat mit der Gesellschaftsform des Unternehmens zu tun. Anton Schlecker führte die Drogeriemarktkette als eingetragener Kaufmann, er haftete mit seinem kompletten Privatvermögen. Das bedeutet nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass für die Kernfirma des Konzerns der Vorwurf der Insolvenzverschleppung nicht ziehen kann. Der entsprechende Paragraf gilt nämlich nur für sogenannte juristische Personen – also insbesondere für Kapitalgesellschaften. Allerdings gehören zu der insolventen Schlecker-Gruppe mehrere Töchter, die als GmbHs organisiert sind. Dazu zählen Ihr Platz und Schlecker XL, in der die großen Filialen zusammengefasst wurden. Hier könnte schon lange vor Januar 2012 eine Überschuldung eingetreten sein.
In Sachen Bankrott und Untreue dürfte es im Wesentlichen darum gehen, ob Schlecker und seine Familie unrechtmäßig Vermögen beiseite geschafft haben. Das ist schon bei Unternehmen nicht zulässig, die von der Zahlungsunfähigkeit nur bedroht sind. Das Vermögen wäre dann den Gläubigern vorenthalten worden. Für alle in Frage stehenden Straftatbestände können hohe Geld- oder sogar Haftstrafen bis zu fünf Jahren verhängt werden.
Frau und Kinder begünstigt
Seit Wochen kursieren Spekulationen darüber, wann Anton Schlecker welche Grundstücke an Familien-Mitglieder übertragen hat. So soll die stattliche Villa mit parkähnlichem Grundstück und einem Wert von rund zwei Millionen Euro schon 2009 an Schleckers Ehefrau Christa überschrieben worden sein. Medienberichten zufolge soll Lars Schlecker wenige Monate vor der Insolvenz als Eigentümer eines 7 000 Quadratmeter großen Firmengrundstücks in Ehingen ins Grundbuch eingetragen worden sein. Zuvor habe seine Schwester Meike ein Areal mit der gleichen Größe bekommen.