Fruchtsaft GmbH: Familienunternehmen Libehna meldet Insolvenz an

27.06.2012 15:33 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 20:06 Uhr
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Libehna

Sitz der Firma in Raguhn (FOTO: ANDRÉ KEHRER)

Von Lisa Garn
Es ist ein Schock für die Region: Das Raguhner Traditionsunternehmen Libehna Fruchtsaft GmbH hat beim Amtsgericht Dessau-Roßlau Insolvenz angemeldet. 45 Mitarbeiter sind betroffen.
Raguhn/MZ. 

"Einer der Gründe für die Finanznot sind gestiegene Preise für Rohstoffe", so Lothar Schwarz. Er ist der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Nikolaus M. Schmidt aus Halle.

"Die Produktion wurde leicht herunter gefahren, da die Firma über keine ausreichenden finanziellen Mittel verfügt", so Schwarz. "Ziel ist es nun, die Firma umzustrukturieren und schwarze Zahlen zu schreiben. So soll eine solide Grundlage geschaffen werden, um das Unternehmen zu verkaufen." Schwarz spricht von einer "übertragenden Sanierung". Derzeit wird an einem Geschäftskonzept gearbeitet, das könne einige Wochen in Anspruch nehmen. Danach soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden.

"Es sollen möglichst alle Arbeitsplätze erhalten bleiben", so Schwarz. Wie wahrscheinlich das ist, könne er derzeit nicht einschätzen. Über die Höhe der Summe, die die Gläubiger fordern, wollte er keine Angaben machen. Die Löhne der Mitarbeiter, darunter acht Auszubildende, sollen bis August gesichert sein. In dieser Zeit wird ihnen ein Insolvenzausfallgeld über die Agentur für Arbeit gezahlt. In der kommenden Woche werde es eine Belegschaftsversammlung geben, auf der sich der Insolvenzverwalter vorstellt. "Außerdem sprechen wir mit den Handelsketten über die weitere Belieferung."

Die Libehna Fruchtsaft GmbH ist eine traditionsreiche Marke und vor allem in Ostdeutschland bekannt. 1876 gegründet, produziert das Unternehmen unter anderem Säfte, Spirituosen und Sirupe. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz auf 7,1 Millionen Euro, so Lothar Schwarz. Im Bereich der Fruchtsirupe besitze Libehna einen Marktanteil von 50 Prozent.

In der Region nimmt man die Nachricht betroffen auf. "Ich hab es eben erst gehört, ich bin entsetzt. Es ist eine Tragödie", sagt der Raguhner Ortsbürgermeister Steffen Berkenbusch. "Ich muss das ersteinmal sacken lassen. Und: Wir müssen im Ort überlegen, ob man irgendetwas tun kann." Auch der Raguhn-Jeßnitzer Bürgermeister Eberhard Berger (CDU) zeigt sich erschrocken. "Es waren Gerüchte im Umlauf, dass es Probleme gibt. Aber dass es so schlimm ist, finde ich äußerst bedauerlich. Das Unternehmen hat einen Namen und eine lange Tradition. Sicher muss eine Insolvenz nicht den Absturz bedeuten. Aber falls sich das Blatt nicht zum Guten wendet, schadet das auch der Stadt."

Die Geschäftsführung des Unternehmens war am Mittwoch für eine aktuelle Stellungnahme nicht zu erreichen.