Gesundheit: Mobbing ist vielerorts Alltag im Beruf

27.02.2012 21:29 Uhr | Aktualisiert 27.02.2012 21:40 Uhr
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Mobbing-Attacke

Häufig gehen Mobbing-Attacken von Vorgesetzten aus. (FOTO: DPA)

Von Peter Hahne
Der Druck am Arbeitsmarkt wird oft auch in die Unternehmen getragen. Betroffene werden häufiger krank.
Berlin/MZ. 

Mobbing stellt für Millionen Arbeitnehmer weiterhin ein beherrschendes Thema am Arbeitsplatz dar. "Wenn der Druck am Arbeitsmarkt zunimmt, wird Mobbing mitunter bewusst eingesetzt", berichtet Günther Pauli vom Institut für betriebliche Gesundheitsförderung bei der AOK Rheinland / Hamburg. Das bestätigt eine Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin in Dortmund.

Danach ist potenziell jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland mit systematischen Intrigen, Schikanen und Benachteiligungen am Arbeitsplatz konfrontiert. Vor allem Chefs und Vorgesetzte sind dabei die Aggressoren. Forscher der Freien Universität Berlin fanden in einer Befragung von 4 000 Mitarbeitern zweier Landesbehörden heraus, dass Mobbing nicht allein auf der subjektiven Einschätzung der Betroffenen oder auf charakterlichen Schwächen der Opfer beruhen, sondern ein objektiv feststellbares "Gruppenphänomen" ist. Mobbing komme in manchen Abteilungen häufiger vor als in anderen und sei entscheidend vom Führungsstil der Vorgesetzten abhängig. Private Probleme der Opfer spielten hingegen keine Rolle.

In weit mehr als der Hälfte der Fälle waren die Chefs Initiatoren oder zumindest Beteiligte der Mobbingangriffe gegen Mitarbeiter. Nach Einschätzung der Wissenschaftler kann das Problem deshalb nicht von den Opfern allein, sondern nur durch die Führungsebene gelöst werden. "In Abteilungen, in denen sich die Führungskräfte gesprächsbereit und zugänglich zeigen, tritt Mobbing seltener auf", schreiben der Wissenschaftler Jens Eisermann.

Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Das Risiko von Depressionen steigt bei Mobbing-Opfern um das Doppelte. Misstrauen, Demotivation und Verunsicherung führen bei der Hälfte der Opfer zu ernsthaften Erkrankungen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden auf bis zu 25 Milliarden Euro im Jahr. Nach dem letzten Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin ist jeder neunte Beschäftige im Laufe seines Berufslebens schon einmal gemobbt worden.

Frauen und jüngere Beschäftigte werden dabei besonders häufig zu Opfern. Der typische Mobber ist männlich, Vorgesetzter und zwischen 35 bis 54 Jahre alt. Laut AOK-Experte Pauli erkennen die Betriebe gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Mobbing jedoch immer öfter und versuchen, mit gesundheitlicher Vorsorge gegenzusteuern.