Hannover-Messe: Nur ein kleiner Durchhänger

23.04.2012 19:19 Uhr | Aktualisiert 23.04.2012 19:33 Uhr
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Mitarbeiter von Festo mit der «ExoHand»

Die Kooperation von Mensch und Maschine demonstriert ein Mitarbeiter von Festo mit der «ExoHand». (FOTO: RTR)

Von Frank-Thomas Wenzel
Der deutsche Maschinenbau erwartet nach einem schwächeren ersten Halbjahr schon bald wieder eine kräftige Nachfrage.
Hannover/MZ. 

Verkehrte Welt: An dem Tag, da Börsianer vom Wiederaufflammen der Euro-Krise sprechen, verbreiten die Maschinenbauer auf der Hannover-Messe Optimismus. Doch der Widerspruch lässt sich leicht auflösen. Die Firmen, die große Maschinen und Anlagen bauen, koppeln sich immer stärker vom Alten Kontinent ab. Im vergangenen Jahr gingen erstmals weniger als 40 Prozent der Exporte der Schlüsselbranche in die EU-Länder.

In diesem Jahr dürfte sich dieser Trend verstärken. In den Krisenländern in Europas Süden wird es mit der Investitionsbereitschaft mau bleiben. Das ist zugleich ein Grund dafür, dass der Branchenverband VDMA im ersten Halbjahr einen Durchhänger mit schrumpfender Produktion erwartet. Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung Ende vergangenen Jahres sich bemühte, die Inflation zu bremsen. Banken waren bei der Kreditvergabe knauseriger - und das schlägt natürlich bei den Investitionsentscheidungen der Unternehmen und in der Folge bei deren Bestellungen durch.

China bleibt Wachstumstreiber

Gleichwohl, VDMA-Präsident Thomas Lindner geht davon aus, dass trotz eines verlangsamten Tempos China auch in diesem Jahr wieder "Wachstumsspitzenreiter" in der Maschinenindustrie sein wird. Er erwartet ein Umsatzplus von zwölf Prozent. Das riesige Land bleibt der wichtigste Markt für die hiesige Branche, die 2011 Maschinen im Wert von knapp 19 Milliarden Euro dorthin lieferte. Den mit Abstand größten Anteil machen die Werkzeugmaschinen aus, mit denen Metall in vielerlei Hinsicht bearbeitet wird. Solche Prozesse kommen vor allem bei Automobilbauern und -zulieferern zum Einsatz. Der chinesische Markt ist so riesig, dass seine Aufnahmefähigkeit "häufig für Ausländer nicht erfassbar" sei, erläutert Lindner. Er mache ein Vielfaches des europäischen des amerikanischen Marktes aus.

Was nicht bedeutet, dass die USA für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer unwichtig sind. Da spielt wieder die Kfz-Industrie eine wichtige Rolle. Ingo Schachel, Analyst bei der Commerzbank, verweist darauf, dass sich auf dem US-Automarkt einiges tue. Die Anschaffung neuer Autos wurde in der Krise 2009 / 2010 verschoben und wird erst jetzt allmählich nachgeholt. Branchenkenner erwarten, dass die Zahl der Neuzulassungen in diesem Jahr um ein Zehntel auf 14 Millionen Pkw steigen könnte. Das ermutigt Autobauer, neue Modelle auf den Markt zu bringen. Und um diese zu fertigen, braucht es neue Werkzeuge.

Potenziale in den USA

Aus Schachels Sicht kommt hinzu, dass die Verlagerung von Werken in den Südosten des Landes vorangetrieben werde, wo die Regierungen der Bundesstaaten die Neuansiedlungen von Autobauern mit kräftigen staatlichen Hilfen unterstützten. Auch das bringt Aufträge für den Maschinenbau. Darüber hinaus dürfe man Mexiko als wichtigen Wachstumsmarkt für die Branche nicht vergessen - vorige Woche verkündete Audi den Bau eines neuen Werks in dem Land, dort soll aber auch für den US-Markt produziert werden.

Doch der Maschinenbau ist in anderen Sparten ebenfalls erfolgreich, beispielsweise in der Energiebranche. Windräder gehören zu den begehrten Produkten. Etwa beim Fördern von Gas, das in Gesteinsschichten gebunden ist, werden Kompressoren benötigt. Der gewonnene Brennstoff wird dann in Stahlwerken oder Kraftwerken verfeuert. Auch hier gebe es viele Chancen für den Maschinenbau, erläutert Schachel, der darauf hinweist, dass die Produktion der hiesigen Maschinenbauer immer noch nicht das Niveau von 2008 erreicht hat. Unter dem Strich rechnet Lindner für dieses Jahr in der Branche mit einer stabilen Produktion, die 2011 ein Volumen von 186 Milliarden Euro hatte.