Verschiedene Kabel und Stecker auf der Hannover Messe (FOTO: DAPD)
Regungslos sitzt die Frau vor der Maschine, auf ihrem Kopf sind Elektroden angebracht, die von einem schwarzen Band aus Plastik zusammengehalten werden. Die Frau sieht aus, als wollte sie in einem Science-Fiction-Film über Gedankenkontrolle mitspielen. Doch dann fällt dem Beobachter auf: Die Platte vor der Frau bewegt sich, ein Ball rollt hin und her, wird ähnlich wie beim ersten Videospiel «Pong» mit zwei beweglichen «Schlägern» hin und her gespielt. Die Frau steuert die Maschine mit ihren Hinströmen.
Das deutsche Unternehmen Festo, spezialisiert auf Steuerungstechnik, zeigt auf der Hannover Messe, dass Science Fiction manchmal Wirklichkeit wird. Die Firma ist eine von vielen, die den bisweilen verblüffenden Stand der Technik vorführen.
Die Gedankensteuerung könnte schon bald den Weg in die Praxis finden. So könnten gelähmte Patienten, etwa nach einem Schlaganfall, die ebenfalls von Festo entwickelte Roboterhand anlegen und mit ihren Hirnströmen steuern. «Das bringt völlig neue Anwendungen für die Rehabilitation», sagt Firmensprecher Heinrich Fronzek bei der Vorführung am Messestand.
Ein paar Hallen weiter zeigt das junge Unternehmen Smart Hydro Power, dass eine gute Idee und sechs Mitarbeiter ausreichen, um auf der größten Industriemesse Beachtung zu finden. Das kleine Wasserkraftwerk der Firma ist schon für 12.500 Euro zu haben und kann in kleineren Flüssen und Kanälen zum Einsatz kommen.
Immerhin fünf Kilowatt Leistung kann die Turbine aus der Strömung des Wassers in Strom umsetzen. Besonders in Südamerika und Indonesien versprechen sich die Entwickler einen Absatzmarkt - überall dort, wo es genug Wasserläufe, aber kein hinreichendes Stromnetz gibt. «In Südamerika rechnet sich das Gerät im Vergleich zum Dieselgenerator nach drei Jahren», sagt Peter Fröde von Smart Hydro Power. In diesem Jahr wolle das Unternehmen 120 Turbinen bauen und verkaufen.
Zwtl.: Umwelttechnik muss nicht sexy sein
Die meisten Stände der Hannover Messe zeigen Innovationen, die wesentlich unscheinbarer daherkommen als Wasserkraftwerke und Gedankenkontrolle. Einem Steuerungsmodul für eine Maschine oder einem Stecker für ein Elektroauto ist es nun mal nicht anzusehen, wenn sie besonders wenig Energie verbrauchen oder besonders wenig robust sind. Das wissen nur die Fachleute und Ingenieure.
Das große Thema «Greentelligence», also die umweltbewusste und kluge Auslegung von Maschinen oder Arbeitsabläufen, ist ebenfalls schwer von außen zu erkennen. So zeigt das Unternehmen Eisenmann, wie moderne Fabriken ihre organischen Abfälle fermentieren und daraus Biogas erzeugen können. Damit lassen sich wiederum Strom und Wärme gewinnen, die zurück in die Fabrik fließen können.
In dem Projekt «DEUS» der Fraunhofer Gesellschaft, das für Dezentrale urbane Wasserinfrastruktursysteme steht, haben die Wissenschaftler einen Weg gefunden, dem Wassermangel entgegenzutreten. Die von den Forschern entwickelte Vakuumtoilette verbraucht nur noch höchstens einen Liter Wasser pro Spülgang. Zudem kann das Abwasser leichter zur Gewinnung von Biogas genutzt werden.
Das alles mag wenig anregend und kaum nach Science Fiction klingen, doch praktisch ist es allemal: Bis 2050 werden wahrscheinlich zwei von fünf Menschen in Gebieten leben, die unter extremer Wasserknappheit leiden.