Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) hat sich erneut gegen Pläne des Kultusministeriums gewandt, die Anforderungen in den Klassen fünf bis zehn in Sachsen-Anhalt künstlich herabzusenken. „Das ist das falsche Signal“, sagte IHK-Präsidentin Carola Schaar gestern vor der Vollversammlung in Orienbaum (Landkreis Wittenberg).
„Vorhandenen Problemen müssen wir uns gemeinsam stellen. Es darf nicht der Eindruck vermittelt werden, eine Verbesserung der Allgemeinbildung und der Ausbildungsreife seien nicht notwendig. Das Gegenteil ist der Fall. Wir dürfen uns nicht einfach besser rechnen“, mahnte Schaar. Noten seien ein unverzichtbarer Gradmesser für die Leistungsbereitschaft und den Leistungsstand der Jugendlichen.
Schaar: „Gute Bildung ist der Garant für ein selbstbestimmtes Leben und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes. Wohlstand kann nur erarbeitet und erhalten werden, wenn den Unternehmen weiterhin gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Basis dafür wird auch in unseren Schulen gelegt.“ Durch das geplante Absenken des Niveaus würden Zeugnisse entwertet. Zwar blieben so weniger Schüler sitzen. „Wir brauchen aber keine statistischen Tricks, sondern eine höhere Ausbildungsreife unserer Jugendlichen“, kritisiert Schaar. Laut einer Umfrage der IHK konnten im vergangenen Jahr fast 50 Prozent der Firmen nicht alle Lehrstellen besetzen. Hauptgrund war die fehlende Ausbildungsreife der Bewerber.