Industrie: Computer-Riesen vom Wandel überrollt

23.05.2012 22:40 Uhr | Aktualisiert 24.05.2012 19:21 Uhr
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Hewlett-Packard

Logo von Hewlett-Packard (FOTO: DPA)

Von Frank-Thomas Wenzel
Hewlett-Packard will den Verfall seines Gewinnes mit dem Abbau von 27.000 Stellen stoppen. Auch Konkurrent Dell leidet.
Frankfurt (Main)/MZ. 

Die Garage in der Addison Avenue 367 im kalifornischen Palo Alto gilt als der Ort, an dem alles anfing mit dem Silicon Valley und der US-Computerindustrie, auf die die Amerikaner so stolz sind. Hier schraubten Bill Hewlett and Dave Packard 1939 ihre ersten elektronischen Geräte zusammen. 73 Jahre später nennt sich die Firma nur noch HP, und die Chefin Meg Whitman will den Konzern in großem Stil restaurieren oder besser: runderneuern.

Rund 27 000 Arbeitsplätze sollen bis 2014 wegfallen - jede zehnte Stelle. Alle Sparten des Unternehmens werde es treffen, auch den hiesigen Ableger. Insider vermuten, dass 700 bis 800 Stellen in Deutschland gestrichen werden könnten. Whitman verkündete ihre Umbaupläne anlässlich der Zwischenbilanz für das zweite Geschäftsquartal – dabei sank der Umsatz in den drei Monaten lediglich um drei Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar. Doch viel gravierender ist, dass der Gewinn um fast ein Drittel auf 1,6 Milliarden Dollar schrumpfte. Tags zuvor hatten eine andere Ikone der US-Computerindustrie einen Profitrückgang in gleichem Maß gemeldet: Dell.

Die beiden Firmen waren jahrelang die unangefochtenen globalen Marktführer im Geschäft mit Personal-Computern. Doch jetzt geht es im Gleichschritt bergab. Der Niedergang der PC-Hersteller aus den USA hat ein bisschen mit schwächerer Konjunktur, aber vor allem mit einem grundlegenden Wandel in der Branche zu tun. „Computer sind zu Massenprodukten geworden, die sich kaum noch voneinander unterscheiden“, sagt Achim Himmelreich von der Managementberatung Mücke, Sturm & Company. Das bedeute, dass in der Branche tendenziell nur noch winzige Gewinnspannen im unteren einstelligen Bereich möglich seien.

Für Unternehmen, die da mithalten wollen, gilt: Kosten drücken. Am besten versteht sich derzeit darauf die chinesische Lenovo, die inzwischen zur globalen Nummer zwei geworden ist – und dabei wie kein anderer Konkurrent vom massiv wachsenden Heimatmarkt profitiert.

HP und Dell hingegen macht vor allem die schwache Nachfrage in Europa zu schaffen. Das hat mit der Euro-Krise zu tun. Aber noch viel mehr damit, dass der PC in den westlichen Ländern an Bedeutung verliert. „Der Markt wird kleiner“, sagt Himmelreich. Tablet-Rechner sind die neuen Konkurrenten. Hier hat Apple mit dem iPad und einem Marktanteil von gut 60 Prozent ganz klar die Nase vorn. Die Versuche von HP und Dell da Fuß zu fassen, sind allesamt gründlich schiefgegangen.