Unternehmen in Sachsen-Anhalt geben geben für Forschung wenig Geld aus. (FOTO: DPA)
Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt hinken in der Forschung und Entwicklung (FuE) ihren westdeutschen Konkurrenten vielfach hinterher. Im bundesweiten Vergleich geben nur die Unternehmen in Brandenburg weniger Geld aus. Rechnet man staatliche Aktivitäten mit ein, liegt das Bundesland bei den FuE-Ausgaben mit 1,32 Prozent an drittletzter Stelle. Dies ergab eine Studie der Norddeutschen Landesbank (Nord / LB), die am Montag vorgestellt wurde.
Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) nannte die Zahlen "erschreckend". Nach Worten der Ministerin müssen sich die betrieblichen Ausgaben erhöhen, damit sich die Unternehmen mit innovativen Produkten am Markt behaupten können. Dazu habe das Ministerium bereits konkrete Schritte eingeleitet. So gebe es seit diesem Jahr sogenannte Transfergutscheine zur Unterstützung kleiner Unternehmen. Dazu werden 400-Euro-Gutscheine an Firmen verteilt. Diese sollen dann Angebote für Bachelor- oder Masterarbeiten mit Forschungsaufträgen an Studenten verteilen. Die Forschung im Mittelstand will Wolff durch ein neues Fördermittelsystem stimulieren. "Die staatliche Unterstützung bei Investitionen kann um zwei Prozent höher ausfallen, wenn am Standort geforscht wird", so Wolff. Dies könne ein bis zu sechsstelliger Betrag sein.
Die Aussichten, Wirtschaft und Wissenschaft stärker zu verzahnen, sind laut Nord / LB-Chefvolkswirt Torsten Windels gut. Es gebe ein Netz von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. "Sie könnten noch stärker Motor sein für wirtschaftliche Entwicklung ", sagte Windels. Die öffentlichen Forschungsausgaben seien auf bundesdeutschem Durchschnittsniveau. Nord / LB-Ökonom Daniel Schrödl betonte zudem, dass in einer modernen Wissensökonomie nicht nur die Ausbildung von Ingenieuren gefragt sei, sondern die Weiterbildung der gesamten Bevölkerung. Wolff sprach von einem langen Weg: "Innovation ist keine Pille, die man einmal einwirft, wenn es schlecht läuft."
Trotz der niedrigen Forschungsausgaben bringen die ostdeutschen Unternehmen vergleichsweise viele Innovationen auf den Markt. Rund 14 Prozent der Ost-Firmen in der Industrie haben zwischen 2005 und 2006 mindestens eine technologische Neuheit auf den Markt gebracht - in Westdeutschland waren es 13 Prozent, ermittelte 2008 das Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Dafür gibt es mehrere Gründe: Forschungsergebnisse westdeutscher Firmen münden in Produkte bei ostdeutschen Töchtern. 90 Prozent der Industrieforschung im Westen entfällt auf Konzerne. Diese sind auch in der teuren Grundlagenforschung tätig. Im Ost-Firmen forschen eher anwendungsbezogen.