Insolvenz: Ihr Platz und Schlecker-XL-Filialen gerettet

04.06.2012 17:54 Uhr | Aktualisiert 05.06.2012 16:20 Uhr
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Drogeriemarktkette IhrPlatz

Die bittere Zerschlagung von Schlecker geht an den ebenfalls insolventen Töchtern Ihr Platz und Schlecker XL vorbei. (FOTO: DPA)

Von Matthias Jekosch
Die bittere Zerschlagung von Schlecker geht an den ebenfalls insolventen Töchtern Ihr Platz und Schlecker XL vorbei: Beide werden vom Münchener Finanzinvestor Dubag übernommen.
München/Ehingen/dapd. 

Der Dubag-Vorstand Michael Schumann habe den Übernahmevertrag für Ihr Platz bereits unterzeichnet, teilte der Insolvenzverwalter Werner Schneider am Montag mit. Die Vertragsunterzeichnung für Schlecker XL, dessen Konzept größere und modernere Filialen sind, solle kurzfristig erfolgen. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Während es für die knapp 5.000 Ihr-Platz-Mitarbeiter und 1.164 Angestellte von Schlecker XL somit weitergeht, gehen bei Schlecker bald die Lichter aus. Auf die mehr als 13.000 Mitarbeiter kommt laut Bundesarbeitsagentur eine schwierige Jobsuche zu. Die Gewerkschaft ver.di hofft immer noch auf eine andere Lösung und nimmt die Politik in die Pflicht.

Dubag will die 342 Schlecker-XL-Märkte in Ihr Platz umbenennen. „Ihr Platz hat dann mit mehr als 800 Märkten eine sehr gute bundesweite Präsenz“, sagte Schumann. Es sei ein im Kern gesundes Unternehmen mit guten Lagen und einem positiven Image, das auch unter den aktuellen Entwicklungen kaum gelitten habe. „Unser Ziel ist es, Ihr Platz als Drogeriekette mit einem attraktiven Preisniveau und interessanten Sonderaktionen zu positionieren“, sagte er.

Ver.di will mit Demonstration gegen Zerschlagung protestieren

Ver.di sieht auch noch eine Zukunft für einen Großteil des restlichen vor dem Zerfall stehenden Schlecker-Imperiums. Die Gewerkschaft will bei der am (morgigen) Dienstag stattfindenden Schlecker-Gläubigerversammlung in Ulm gegen die geplante Zerschlagung demonstrieren. Unter dem Motto „Wir geben nicht auf! Auch wenn Schlecker zumacht - wir sind immer noch da!“ würden ab zehn Uhr Schlecker-Beschäftigte beim Tagungslokal erwartet, teilte die Gewerkschaft mit. Am Freitag hat der Gläubigerausschuss die Zerschlagung von Schlecker beschlossen. Die wesentlich größere Gläubigerversammlung muss den Beschluss noch bestätigen.

Eine Sprecherin des ver.di-Bundesvorstandes sagte, die Gewerkschaft wolle die Bundesregierung weiter unter Druck setzen. „Wir werden weiterhin sagen, was Sache ist und dass die Politik in der Verantwortung steht.“ Sie forderte etwa die Beantragung von Mitteln aus dem Europäischen Globalisierungsfonds (EGF). Dieser ist zur Zahlung von Unterstützung bei Entlassungen, die mit der Globalisierung in Zusammenhang stehen, vorgesehen. Die Bundesrepublik Deutschland hatte darüber unter anderem Unterstützung für Massenentlassungen bei Heidelberger Druck und Nokia beantragt.

Schmid: Zu spät für staatliche Unterstützung

Für eine staatliche Unterstützung der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker ist es aus Sicht von Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid aber zu spät. „Wir können von der Politik in dieser Phase nicht mehr direkt helfen“, sagte der SPD-Politiker in Stuttgart. „Jetzt wird der Konzern abgewickelt.“ Zuvor hatte er sich vergeblich um die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die schon im März entlassenen 11.000 Schlecker-Beschäftigten eingesetzt.

Für die Ende Juni vor ihrer Entlassung stehenden restlichen Mitarbeiter wird die Arbeitsplatzsuche laut Bundesagentur für Arbeit schwierig. „Bei der ersten Entlassungswelle lag bei den meisten noch ein Sozialplan zugrunde“, sagte eine Sprecherin. Es seien die Angestellten mit den besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt gewesen. Da sei die Arbeitsagentur noch verhalten optimistisch gewesen.

„Es wird jetzt nicht leichter“, sagte die Arbeitsagentur-Sprecherin zur erwarteten Entlassungswelle. „Jetzt kommen Menschen, die zu einer Personengruppe gehören, die es per se schwieriger haben“, sagte sie weiter. Dazu zählten ältere Mitarbeiter oder solche, deren Qualifikationsniveau nicht so hoch ist.