Kraftstoff: Biosprit E10 bleibt ein Ladenhüter

18.06.2012 12:52 Uhr | Aktualisiert 18.06.2012 22:15 Uhr
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Biosprit

Die grüne Idee kommt bei Autofahrern nicht recht an. (FOTO: DPA)

Von Stefan Sauer
Der Biosprit E10 wird noch immer nur von wenigen getankt. Die meisten Autofahrer fürchten Motorschäden. Umweltbelange sind zweitrangig.
Berlin/MZ. 

Das Produkt garantiere Klimaschutz zum Nulltarif, es verringere die Abhängigkeit von Importen, schaffe Arbeitsplätze auf dem flachen Land und mindere die Attraktivität risikoreicher Rohstoffgewinnung in der Tiefsee und aus kanadischen Ölsanden. Wenn man Dietrich Klein, Geschäftsführer des Bundesverbands der Bioethanol-Wirtschaft, eine Weile lauscht, kommen einem unweigerlich Begriffe wie "Ei des Kolumbus" oder "Stein der Weisen" in den Sinn. Sehr zum Kummer des Herstellerverbands genießt der Biosprit Ethanol in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer einen zweifelhaften Ruf, wie eine aktuelle, vom Verband in Auftrag gegebene Infratest-Umfrage unter 1 000 volljährigen Bundesbürgern zeigt.

Technische Bedenken überwiegen

Vor allem die Furcht, der Anfang 2011 eingeführte Kraftstoff E 10 mit zehn Prozent Ethanol-Anteil schade den Motoren, ist nach wie vor verbreitet. Von den zwei Dritteln der Befragten, die bisher nie E 10 getankt hatten, gaben 73 Prozent "technische Bedenken" für die Ethanol-Abstinenz an. Das waren vier Prozentpunkte mehr als bei einer ersten Befragung im Mai 2011.

Zugleich wuchs der Anteil jener, die schon E 10-Kraftstoff getankt hatten, von 24 auf 33 Prozent an. Dabei zeigten sich Autofahrer in den östlichen Ländern, wo nur 24 Prozent auf E 10 zurückgriffen, skeptischer als im Westen mit 35 Prozent. Nach Angaben der Autohersteller vertragen nur zehn Prozent der Benziner den Ethanol-Sprit nicht. Ethische Erwägungen spielen dagegen für Ethanol-Skeptiker wie für Ethanol-Nutzer kaum eine Rolle.

So gaben acht von zehn Fahrern, die E10 tanken, den niedrigeren Preis als ausschlaggebend an. Nur 13 Prozent nannten den Klimaschutz. Umgekehrt äußerten nur sechs Prozent der Ethanol-Gegner die Ansicht, der Biosprit verbrauche landwirtschaftliche Flächen, die andernfalls zur Nahrungsmittelproduktion genutzt werden könnten, und trage damit zum Hunger in der Welt bei. Dem hält Klein entgegen, für das in Deutschland vornehmlich in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern produzierte Ethanol würden ausschließlich Futtergetreide und andere Rohstoffe aus heimischer, europäischer und nordamerikanischer Erzeugung verwendet, nicht aber aus Schwellen- und Entwicklungsländern.

Verband rechnet mit Durchbruch

Trotz der verbreiteten technischen Vorbehalte sagt Klein dem Ethanol einen Siegeszug voraus. Zwischen 2015 und 2020 müssten die deutschen CO2-Emissionen schrittweise um 5,5 bis zwölf Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Mit deutschen Herstellern werde bereits über Motoren gesprochen, die für E 20 oder E 25 geeignet seien.

Immerhin habe die Beimischung von Bioethanol schon 2011 den Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland um 2,2 Millionen Tonnen vermindert. Da der Bio-Sprit vier Cent billiger zu haben sei als Benzin, würden sich höhere Ethanol-Anteile als billigste Variante des Klimaschutzes durchsetzen. Klein: "Die Frage lautet: Wie spart man am kostengünstigsten Millionen Tonnen CO2?"