Benzin und Diesel haben sich etwas verbilligt. (FOTO: DPA)
Der Ärger über hohe Benzinpreise sinkt mit jedem Cent. 1,605 Euro sind hierzulande laut aktueller ADAC-Statistik im Schnitt zu zahlen. Damit kostet die Sorte Super E10 rund drei Cent weniger als vor einer Woche. Für Super mit nur fünf Prozent Ethanol-Anteil sind in der Regel vier Cent mehr fällig. Von den Rekordpreisen der vergangenen Wochen, als für Super zum Teil deutlich mehr als 1,70 Euro bezahlt werden mussten, ist man nun wieder ein gutes Stück entfernt. Und: Es ist weitere Entspannung in Sicht.
Der Grund dafür ist der deutlich gefallene Ölpreis. Die Nordseesorte Brent kostete 113 Dollar pro Fass (159 Liter). Das sind rund zwölf Dollar weniger, als vor vier Wochen bezahlt werden musste. Die Ölhändler halten den Markt für gut versorgt. In den USA sind die Lager so voll wie seit 1990 nicht mehr. Und in China ist die Konjunktur schwächer als erwartet, die Importe sanken zuletzt. Der preistreibende Iran-Konflikt hat sich nicht mehr weiter verschärft.
Der ADAC ist jedoch der Meinung, dass sich der gefallene Ölpreis noch nicht ausreichend in den Preisen an der Tankstelle widerspiegelt und befeuert damit die Debatte um abzockende Ölkonzerne. Tatsächlich hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass es ein Oligopol an Tankstellen- und Raffineriebetreibern gibt, das zu viel Marktmacht hat. Es mag durchaus sein, dass im Wettbewerb nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
Auf der anderen Seite ist die Situation in allen europäischen Ländern ähnlich, denn die Benzinpreise sind in den vergangenen Jahren im Vergleich zum Ausgangsstoff Rohöl extrem hoch gewesen. Laut den Rohstoff-Analysten der Commerzbank lag die Preisdifferenz zwischen Rohöl und Benzin Ende März bei 300 Dollar pro Tonne - so viel wie seit 2007 nicht mehr. Und sie ist weiter hoch geblieben. Ein gutes Geschäft für die Raffinerien und ein Ärgernis für die Autofahrer. Auch Diesel war im Vergleich zu Öl teuer.
Doch damit könnte es aufgrund einer einzelnen Pipeline in den USA bald vorbei sein. Der Fall zeigt, wie global der Ölmarkt inzwischen ist. Mitte Mai geht die umgekehrte Seaway-Pipeline in Betrieb. Bislang konnte sie Öl nur von der Golfküste ins Landesinnere, an den Knotenpunkt Cushing, transportieren. Doch in Cushing gibt es seit Jahren eine Ölschwemme, der Ölpreis ist dort viel niedriger als an der Küste, weil das Angebot sehr hoch ist. Nach dem Umbau kann die Pipeline nun 150 000 Fass billigen Öls pro Tag, später sogar noch deutlich mehr, an die Golfküste bringen. Schon jetzt schließt sich die Preisschere zwischen Cushing und der Golfküste für künftige Lieferungen deutlich.
Die Experten der Commerzbank erwarten, dass deshalb der Ölpreis an der Golfküste fällt. Folge: Die Raffinerien werden den Rohstoff billiger einkaufen und auch Benzin günstiger anbieten. Und da ihr Einfluss auf die Preise enorm ist, werden die US-Benzinpreise fallen, und die Benzinpreise in Europa werden folgen. Schließlich sind die USA der wichtigste Benzin-Absatzmarkt der Welt. Die Preisdifferenz zwischen Öl und Benzin werde in den nächsten Monaten auf 200 Dollar pro Tonne zurückgehen, vermuten die Commerzbank-Experten. Damit dürfte sich auch die Aufregung darüber, dass die Preise an den deutschen Tankstellen das günstigere Öl nicht ausreichend widerspiegeln, legen.