Landwirtschaft: Moderner Bauer setzt auf Sensor statt Sense

17.06.2012 19:29 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 19:36 Uhr
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DLG-Feldtage in Springe-Mittelrode

Zu den letzen DLG-Feldtagen in Springe-Mittelrode bei Hannover kamen 20 000 Besucher. (FOTO: DLG)

Von Steffen Höhne
Bei Bernburg beginnen die DLG-Feldtage. Die Schau zeigt, wie die Äcker morgen bewirtschaftet werden.
bernburg/MZ. 

"Die Landwirtschaft ist der einzige Produktionszweig, bei dem die Werkbank für jeden sichtbar offen liegt", sagt Landwirt Carl-Albrecht Bartmer. Viele Bürger seien daher auch interessiert, wie es auf den Feldern in ihrer Umgebung zugeht. Wer einen genauen Einblick gewinnen möchte, dem empfiehlt der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, (DLG) die morgen beginnenden Feldtage in Bernburg-Strenzfeld zu besuchen.

Gentechnik wird nicht gezeigt

Die renommierte Agrarschau, die alle zwei Jahre stattfindet, ist mit mehr als 300 Ausstellern eine Großveranstaltung in der deutschen Landwirtschaft. Das Ausstellerverzeichnis liest sich wie das Who's Who der internationalen Branche. Die Liste reicht von Saatgutherstellern KWS und Monsanto über Düngemittelhersteller K+S und DuPont bis zu großen Traktoren-Herstellern wie Fendt. "Vor allem die Fachbesucher, an die sich die Schau in erster Linie richtet, sind an den Neuheiten interessiert", sagt Bartmer. So werde es etwa einen Weizenanbauvergleich geben, bei dem verschiedene Anbausysteme vorgestellt werden.

Nach Einschätzung von Bartmer sind neue, ertragreiche Sorten wichtig, um die künftige Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. Nicht nur die steigende Zahl der Menschen, sondern auch die Zunahme von Wohlstand führen zu einem steigenden Bedarf. Zuletzt haben Forscher von Bayer ausgerechnet, dass heute auf einem Hektar Weizen etwa 9 250 Mischbrote "wachsen". Dies reicht auf Dauer allerdings nicht aus, um den Bedarf zu decken. Bartmer weist zudem darauf hin, dass der Anbau von Pflanzen zur Produktion von Bio-Energie in vielen Ländern zusätzlich Flächen beansprucht. Die Agrar-Industrie versucht darauf antworten zu geben. Ein Beispiel: Landwirte können mit Sensoren den Chlorophyllgehalt in Pflanzen zu messen. Dieser gibt Aufschluss über die Nährstoffversorgung und macht gezielte Düngungen möglich. Sensor satt Sense.

Die vor allem in Europa umstrittene Gentechnik wird nach Angaben von Bartmer nicht auf der Schau mit Feldversuchen zu sehen sein. "Es gibt derzeit keinen Anbau in Deutschland. Der öffentliche Widerstand ist zu groß. " Bartmer persönlich bedauert dies. "Mit Verantwortung und Vernunft eingesetzt, könnte die grüne Gentechnik helfen, Probleme zu lösen." Dies ginge aber nicht gegen den Willen der Konsumenten.

Kunden verlangen hohe Qualität

Insgesamt stellt Bartmer fest, dass Verbraucher immer mehr Wert auf die Qualität ihrer Lebensmittel legen. Darauf reagieren die Hersteller. "Die DLG führt derzeit jährlich bis zu 30 000 Lebensmittel-Prüfungen durch." Noch vor einigen Jahren seien es nur 15 000 gewesen. Die goldenen, silbernen und bronzenen DLG-Prüfzeichen seien auf vielen Produkten sichtbar. Dioxin-Skandal und antibiotikaresistente Keime in Geflügelfleisch hätten zuletzt zwar medial große Aufmerksamkeit erregt. "Insgesamt nimmt die Qualität der Lebensmittel aber zu", sagt Bartmer.

Der Landwirt, der seinen Hof in Löbnitz (Salzlandkreis) hat, freut sich besonders, dass die DLG-Feldtage, die früher an wechselnden Standorten in Deutschland stattfanden, nun 2012 und 2014 in Bernburg ihr zu Hause gefunden haben. Die DLG-Kommission hatte einen festen Standort gesucht. Bernburg bekam den Zuschlag. Denn dort befindet sich das Internationale Pflanzenbauzentrum, die Hochschule Anhalt, die Landesanstalt für Landwirtschaft und bester Bördeboden. Ob die Schau auch 2016 und danach im Norden der Stadt stattfindet, hängt davon ab, wie das Konzept ankommt.