In den Edeka-Regalen soll ökologisch erzeugte Produkte mehr Platz erhalten. (FOTO: DAPD)
Der Umweltorganisation Greenpeace geht die Nachhaltigkeits-Offensive von Edeka nicht weit genug. Zwar sei das Engagement grundsätzlich zu begrüßen. "Die Zielvorgaben sind aber in vielen Fällen nicht genau, es bleibt zu vieles offen", sagte Konsumexperte Jürgen Knirsch. Deutschlands größter Lebensmittelhändler hatte am Mittwoch angekündigt, künftig mehr nachhaltig erzeugte Produkte anzubieten.
Konkret geht es um die Edeka-Eigenmarken wie "Gut & Günstig", die für 20 Prozent des gesamten Umsatzvolumens stehen. Bis 2015 will Edeka im Eigenmarken-Sortiment bis 2015 nur noch nachhaltig gefangenen Fisch anbieten und setzt dabei auf das blaue MSC-Siegel des Marine Stewardship Council. Die Fischverpackungen werden künftig zusätzlich auch das Panda-Logo der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature WWF tragen, mit dem Edeka die seit 2009 bestehende Kooperation über nachhaltige Fischerei nun zur Partnerschaft ausweitet. Als "ökologischer Fitnesstrainer" wie sich der WWF selbst bezeichnet, wird er den Edeka-Verbund in Sachen Nachhaltigkeit auf Kurs bringen.
Futtermittel ohne Gentechnik
Das Engagement soll nun auf weitere Themen und Sortimente ausgedehnt werden: Holz und Papier, Palmöl, Soja, Klima und Süßwasser. Eigenmarken-Produkte aus Holz und Papier will Edeka bis 2015 auf Alternativen wie FSC-Holzprodukte oder Recyclingpapier umstellen. Palmöl oder Anteile davon sollen bis Ende 2013 nur noch aus zertifiziert nachhaltigen Quellen stammen. Außerdem strebt Edeka an, für Eigenmarken-Produkte nur noch Futtermittel ohne Gentechnik einzusetzen. Einen konkreten Zeitpunkt als Zielvorgabe bleibt das Unternehmen aber schuldig. Auch die Pläne, für einzelne Produkte die Treibhausemissionen zu erfassen sowie einen "Wasser-Fußabdruck" zu ermitteln, um dann Reduktionsziele zu vereinbaren, gehen über den Ankündigungsstatus nicht hinaus.
Greenpeace-Experte Knirsch stört nicht nur das. So hätten sich Edeka und der WWF zu Beginn ihrer Kooperation zum Ziel gesetzt, den Eigenmarken-Fisch bereits bis 2012 auf nachhaltige Fischerei umzustellen. Da man aber nur eine Quote von 87 Prozent erreicht habe, sei nun kurzerhand 2015 als Planziel ausgegeben worden. Knirsch: "Da fehlt es an Transparenz und Ehrlichkeit." Hinzu kommt, dass auch das MSC-Siegel, auf das Edeka setzt, nicht unumstritten ist. Biologen kritisierten jüngst, dass die Zertifizierung nicht streng genug sei und man sich nicht darauf verlassen könne, dass die Bestände nicht doch überfischt seien.
Auch andere Ketten aktiv
Edeka begründet die nur zu 87 Prozent "optimierte" Fischtheke damit, dass es bislang nur für Wildfisch das MSC-Nachhaltigkeitslabel gab, nicht für Zuchtfisch. Erst seit 2011 sind erste Fischprodukte auf dem Markt, die mit dem neuen ASC-Siegel gelabelt sind. Fest steht, dass die Entscheidung von Edeka einen nicht unerheblichen Effekt auf Nachfrage, Lieferanten und die Fischereien haben wird: Die Gruppe ist Deutschlands größter Fischhändler. Nachhaltigkeitsprojekte sind inzwischen bei Lebensmittelhändlern an der Tagesordnung.
Teile der neuen Edeka-Pläne erinnern an das Umweltsiegel des Konkurrenten Rewe. Der hat 2010 das Pro-Planet-Siegel eingeführt. Es kennzeichnet Produkte, für die wissenschaftliche Institute das drängendste Umweltproblem ausgemacht und dafür eine Lösung entwickelt haben, etwa einen geringeren Wasserverbrauch.