Lebensmittel: Milchpreis stößt Bauern sauer auf

03.05.2012 19:37 Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 20:49 Uhr
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Melkstände

Solche Melkstände kommen in Großbetrieben zum Einsatz. (FOTO: ZB)

Von Eckhard Jäckel
Was die Verbraucher freuen wird, treibt den Milchbauern Sorgenfalten auf die Stirn: Nach Aldi und Netto haben am Donnerstag weitere Discounter die Preise für Trinkmilch und eine Reihe anderer Milchprodukte wie Butter oder Schlagsahne gesenkt.
Halle (Saale)/Magdeburg/MZ. 

Durchschnittlich zehn Prozent weniger müssen die Kunden jetzt bezahlen. Bei Norma fiel zum Beispiel der Preis für einen Liter frische Vollmilch von 57 auf 51 Cent.

Aus Sicht des Landesbauernverbandes geht diese Entwicklung in die falsche Richtung. Wie auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verweist er auf die gestiegenen Kosten der Erzeuger. "Energie, Kraftstoffe und Futtermittel sind erheblich teurer geworden", sagt Verbandssprecher Christian Apprecht in Magdeburg. Deshalb hätten die Preise "zumindest leicht steigen " müssen. Durch den Preisverfall würden "sicher eine Reihe von Betrieben" unter Druck geraten.

Hintergrund des Preisrutsches ist die jüngste Verhandlungsrunde der Handelskonzerne mit den Molkereien. Aller sechs Monate wird in der Regel neu verhandelt. Die Landwirte sitzen dabei nicht mit am Tisch. Allerdings befindet sich eine Reihe von Molkereien in der Hand von Genossenschaften, denen viele Bauern angehören.

"In den Betrieben kommt das Ergebnis dieser Verhandlungen zeitversetzt an", sagt Wolfgang Köhler vom Bauernverband Börde. Jeweils am 15. des Folgemonats erführen die Bauern den Preis und erhielten das Geld für die Lieferungen des Vormonats. Köhler fragt im Auftrag des Milchausschusses regelmäßig die Preise bei den sieben Molkereien ab, an die Milchviehhalter aus Sachsen-Anhalt liefern. Vor einem Viertel Jahr hätten sie noch bei durchschnittlich 34,5 Cent je Kilogramm Rohmilch gelegen. Für die Lieferung März seien nur noch zwischen 29,5 und 32 Cent gezahlt worden. Köhler: "Dafür kann kein Betrieb kostendeckend produzieren." Aus seiner Sicht wären 35 bis 36 Cent ein angemessener Milchpreis. Allerdings räumt er ein, dass in der jüngsten Verhandlungsrunde bereits im Vorfeld Preissenkungen erwartet worden waren.

Unterdessen geht der Genossenschaftsverband Hannover davon aus, dass die Preise auf mittlere Sicht wieder steigen werden. Grund sei die anziehende Nachfrage nach Milchprodukten in den Schwellenländern und das dadurch verknappte Angebot hierzulande. In einer Stellungnahme war daher von einer momentanen "Preisdelle" die Rede.