Leipziger Automesse: Hohe Treibstoffpreise und ihre Wirkung

02.06.2012 14:24 Uhr | Aktualisiert 03.06.2012 22:18 Uhr
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Audi auf der AMI

Besucher informieren sich auf der Leipziger Automobilmesse AMI über die aktuellen Modelle von Audi. (FOTO: DPA)

Von Alexander Schierholz
Das Interesse an sparsamen Modellen wächst, Spritsparkurse sind gefragt. „Die Leute überdenken ihr Fahrverhalten“, sagt ein Trainer.
Leipzig/MZ. 

Die automobile Zukunft beginnt gleich hinter Tor 3.5., auf einem Innenhof neben der Halle 3 der Leipziger Messe. Dort stehen sie aufgereiht, die Opel Amperas und Nissan Leafs, nagelneue Elektroautos der Mittel- und Kompaktklasse. Erstmals werden auf der Leipziger Automobilmesse Ami Probefahrten mit E-Mobilen angeboten. Das Interesse ist riesig, wer testen will, muss warten. „Alles ausgebucht“, sagt der Mann am Opel-Stand und zeigt wie zum Beweis die volle Anmeldeliste.

Ausgebucht ist auch Roland Richter. Der 52-Jährige bietet Spritspartrainings an. Während der Messe ist der Mann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat für Audi im Einsatz, einer von mehreren Herstellern, bei denen Besucher solche Kurse buchen können. Bei Audi heißen sie „Eco-Driving“, und wichtig, sagt Richter, sind vor allem drei Dinge: Schnell schalten. Den Schwung ausnutzen, indem man zum Beispiel den Gang rausnimmt, wo es möglich ist. Und: Abstand halten, gleichmäßig fahren. „Die Schaltstelle“, weiß der Trainer, „ist immer der Fahrer“. Der Kreis der Interessenten reicht vom Anfänger bis zum älteren Fahrer. „Zunehmend überdenken die Leute ihr Fahrverhalten“, schildert Richter seine Erfahrungen. „Sie überlegen sich, was sie angesichts der hohen Spritpreise selbst tun können.“

In den Messehallen, an den Ständen der Hersteller, ist davon auf den ersten Blick indes nicht viel zu merken. Scharen von Besuchern, meist Männer, meist jung, ausgerüstet mit Fotoapparaten und Smartphones, umringen vor allem die sportlichen Flitzer, die großen, die PS-starken. Erst auf den zweiten Blick ist das anders. Robert Marletz steigt gerade aus einem dicken Audi, Modell S 7. Der 22-jährige Elektroniker schwört auf die Ingolstädter Marke. Doch für ihn würden es auch zwei Nummern kleiner tun: „Der neue A 3 gefällt mir gut.“ Aber, sagt der Hallenser, zuverlässig müsse er sein und sparsam im Verbrauch. Erst danach sei ihm das Aussehen wichtig. Für Stefan Schaal zählt dagegen die Praxistauglichkeit: „Früher war mir Sportlichkeit wichtig, heute die Familie“, sagt der Zwickauer. Sprich: Ins Auto muss ein Kinderwagen passen. Und, klar, sparsam müsse es auch sein, „definitiv, gerade wenn man viel fährt“.

Die Hersteller, so der Eindruck auf der Messe, tragen dem Wunsch nach Sparsamkeit immer mehr Rechnung. Die Modelle verbrauchen immer weniger. Fahrtrainer Roland Richter vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat hat einen Trend ausgemacht - das „Downsizing“ (Verkleinern). „Früher wurden die Motoren immer größer, größer, größer“, sagt Richter. Nun gingen die Produzenten zunehmend dazu über, die Antriebe kleiner, aber leistungsstärker zu bauen. Mit Folgen für den Verbrauch und den CO2-Ausstoß. Nahezu jeder namhafte Hersteller hat mittlerweile eine Spritsparlinie im Angebot. Die Labels heißen „Blue Efficiency“, „Econetic“ oder „Greenline“ - alles so schön grün hier. „Emissionen zu senken, liegt im Trend“, heißt es etwa bei VW. Die besonders sparsamen Modelle seien auf der Messe sehr gefragt.

Dem Kauf von Hybrid- und Elektroautos dagegen stehen viele potenzielle Kunden noch skeptisch gegenüber - trotz des Andrangs bei den Probefahrten: „Ein Elektroauto kommt für mich erst in Frage, wenn es günstiger ist und die Reichweiten länger sind“, sagt Messebesucher Robert Marletz. Und Stefan Schaal hält nicht viel von Hybrid: Er hat Bedenken, dass gerade bei längeren Fahrten das höhere Gewicht des Autos den Vorteil des geringeren Verbrauchs wieder zunichte mache. „Da ist ein Diesel sicher besser.“

David Kühnert indes ist begeistert von den Stromern. Lautlos surrt er in einem Nissan Leaf über den Hof hinter Halle 3 und parkt ein. Natürlich, sagt der 24-Jährige, würde er sich ein Elektroauto kaufen: „Ein tolles Fahrgefühl, schön leise. Das muss man erlebt haben!“ Vielleicht liegt es an Kühnerts Job: Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni Chemnitz forscht zu Ladestationen für E-Mobile. Dabei geht es letztlich darum sicherzustellen, dass die Autos verlässlich mit Ökostrom betankt werden können. Ist das nicht der Fall, fahren auch Elektromobile unterm Strich nicht emissionsfrei. Das haben Studien ergeben.

Vorerst bleibt deshalb wohl nur eins: sparsam fahren.