Leitungsausbau: Netzagentur warnt vor Stromengpass

04.05.2012 14:23 Uhr | Aktualisiert 04.05.2012 21:19 Uhr
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Stromnetze

Strommasten (FOTO: DPA)

Von JÖRG WAGNER
Der neue Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, hat zu mehr Anstrengung beim Ausbau der Stromnetze in Deutschland aufgerufen.
Bonn/MZ. 

Lautstark Alarm zu schlagen gehörte bisher nicht zu den Lebensaufgaben von Jochen Homann. Ob als Volkswirt am Hamburger Institut für Weltwirtschaft, Referent, Abteilungsleiter oder Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium - Homann war für leise Töne bekannt. Seine Fachkompetenz brachte ihm den neuen Job als Präsident der Bundesnetzagentur ein. Doch auch an der Spitze der Behörde, die die deutsche Energiewende maßgeblich mitorganisieren soll, behält Homann seine Ruhe bei. Dabei gäbe es jede Menge Gründe Alarm zu schlagen.

Da wäre zunächst die akute Gefahr von Stromausfällen in der Winterzeit. "Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung", sagte Jochen Homann. Drei Mal musste im vergangenen Winter die Notreserve im deutschen Kraftwerkspark ans Netz gebracht werden, um Black-Outs zu vermeiden. Dazu trugen auch erstaunliche Abweichungen bei den Stromerzeugungs-Prognosen bei. Der von Insidern aufgebrachte Verdacht: Stromhändler hätten aus Profitgründen mit der Notreserve gezockt.

Für Homann ist klar: "Die Lage im kommenden Winter dürfte nicht sehr viel anders als zuletzt aussehen." Der Spitzenbeamte will ein Bündel an möglichen Lösungen auf den Weg bringen: Kraftwerksbetreiber sollen Stilllegungen von Anlagen transparenter machen, und stillstehende Anlagen sollen als Notreserve verfügbar bleiben. Zudem müsse die Brennstoff-Versorgung wichtiger Gaskraftwerke für die kommenden Winter gesichert werden. Diese können besonders schnell Schwankungen im Netz ausgleichen. Dazu bedürfe es aber auch einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Strom- und Gasnetzbetreibern.

Auch jenseits aktueller Krisenlagen verwies Homann auf vielfältige Hindernisse auf dem Weg der Energiewende. So kommt der Ausbau der am dringendsten benötigten Hochspannungsleitungen nur im Schneckentempo voran. Schon 2009, also vor dem Schwenk der Bundesregierung weg von der Atomkraft, wurden 1 834 Kilometer an fehlenden Stromtrassen identifiziert. Von diesen sind seitdem 214 Kilometer gebaut worden. "Das ist nicht berauschend", sagte Homann.

Erschwerend kommt hinzu: Die einzelnen Bundesländer sind für die Planung dieser Leitungen zuständig. Das führt dazu, dass viele Trassen bis an eine Landesgrenze führen und dort im Nichts enden - weniger als 100 der gebauten 214 Kilometer konnten in Betrieb genommen werden. Und die vielfältigen neuen Probleme durch die Energiewende spielen in diesen Bauplänen noch gar keine Rolle.