Mibrag: Kohleförderer setzt trotz Protesten auf neues Kraftwerk

08.08.2012 18:43 Uhr | Aktualisiert 09.08.2012 17:10 Uhr
Ein Schaufelradbagger der MIBRAG trägt im Abbaufeld Schwerzau vom Tagebau Profen Abraum ab. (ARCHIVFOTO: DPA) 
Von Steffen Höhne
Der Kohleförderer investiert in neue Felder. Die Einwohner eines sächsischen Ortes sollen umgesiedelt werden. Der Unternehmensgewinn ist weiter auf hohem Niveau.
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Theissen/MZ. 

In der deutschen Energiewirtschaft ist derzeit Wundenlecken angesagt: Die Hersteller von Solar- und Windkraftanlagen leiden massiv unter der asiatischen Konkurrenz, Atomkraftwerke werden schrittweise abgeschaltet und die Importeure von Erdgas kämpfen gegen teure Gaseinkaufsverträge mit Russland und Norwegen. Der von einigen Energieexperten bereits abgeschriebenen Braunkohle-Industrie geht es da momentan vergleichsweise gut.

Förderung geht zurück

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) hat 2011 knapp 40 Millionen Euro vor allem in die Erweiterung ihrer Tagebaugebiete investiert, teilte das Unternehmen aus Theißen (Burgenlandkreis) gestern mit. „In diesem Jahr werden sich die Ausgaben bei rund 50 Millionen Euro bewegen“, kündigte Mibrag-Geschäftsführer Joachim Geisler im MZ-Gespräch an. Das Bergbauunternehmen hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 395,4 Millionen Euro erzielt - im Vorjahr waren es 387,1 Millionen Euro. Das Jahresergebnis sank leicht von 70,2 auf 67,3 Millionen Euro, befindet sich damit aber weiter auf einem hohen Niveau. Belastet wird der Gewinn durch den Kauf von CO2-Zertifikaten für drei kleine Mibrag-Kraftwerke.

Merklich zurück ging dagegen die Kohle-Förderung von 19,6 Millionen Tonnen 2010 auf 19 Millionen im Jahr 2011. Der Grund dafür liegt nach Worten von Geisler in vorübergehenden Revisions- und Reparaturstillständen in den großen Kraftwerken Lippendorf bei Leipzig und Schkopau (Saalekreis). Von den 19 Millionen Tonnen Rohkohle kamen 9,8 Millionen Tonnen aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain in Sachsen und 9,2 Millionen Tonnen aus dem Tagebau Profen im Burgenlandkreis. Durch die zunehmende Einspeisung von erneuerbaren Energien müssen die großen Braunkohlekraftwerke aber auch immer öfter ihre Leistung drosseln. Laut Mibrag-Chef schwankt daher etwa die Kohleabnahme des Kraftwerkes Lippendorf von 10 000 bis 33 000 Tonnen pro Tag.

Die geänderten Marktbedingungen, die nicht mehr eine konstante Abnahme garantieren, sind auch eine Hürde für den Bau eines neuen 1,3 Milliarden Euro teuren Braunkohlekraftwerkes in Profen. Die Mibrag hatte im Dezember 2011 den Genehmigungsprozess für das Kraftwerk, das frühestens 2020 in Betrieb gehen soll, in Gang gesetzt. „Die Entscheidung über den Kraftwerksbau soll endgültig 2015 fallen“, sagte Geisler. Erst dann werde auch über einen Tagebau bei Lützen entschieden.

Aus Sicht Geislers ist Deutschland trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien auch in den nächsten Jahrzehnten auf vergleichsweise günstigen Kohlestrom angewiesen. „Es fehlt eine Speichertechnologie für Windstrom, die wirtschaftlich ist“, so Geisler. Die Mibrag habe selbst den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes in den Tagebaugebieten geprüft. „Es rechnet sich nicht“, erklärte Geisler.

Derzeit konzentriert sich die Mibrag-Gruppe mit 2 500 Mitarbeitern auf die Erweiterung der bestehenden Tagebaugebiete. So soll in fünf bis sechs Jahren die Ortschaft Pödelwitz (Sachsen) mit 130 Einwohnern dem Tagebau Schleenhain weichen. „Wir sind uns mit 95 Prozent der Einwohner über eine Umsiedlung einig“, so Geisler. Die Mehrheit der Bürger des Ortes, der am Rande des Tagebaugebietes liegt, sei auf die Mibrag wegen einer Umsiedlung zugekommen.

Nur noch ein Eigentümer

Die Investitionsvorhaben werden nach Angaben von Geisler vom tschechischen Eigentümer EPE voll unterstützt. Die EPE, die bisher die Hälfte der Mibrag-Anteile hielt, hat zum 1. Juli die weiteren 50 Prozent Anteile vom tschechischen Konzern CEZ erworben. EPE betreibt in Tschechien vor allem Wärme- und Stromkraftwerke. Hinter der Holding steht der Unternehmer Daniel Kretínský. Zuletzt erwarben die Tschechen 41,9 Prozent der Anteile am deutschen Kohlekraftwerk Schkopau. „Dies ist ein deutliches Zeichen pro Braunkohle in der Region“, meint Geisler. EPE unterstütze auch die Pläne zum Kraftwerksneubau in Profen.