Nordafrika: Strom aus der Wüste soll sich für Europa rechnen

21.06.2012 20:01 Uhr | Aktualisiert 21.06.2012 20:10 Uhr
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Sonnenstrom aus der Sahara wird im Jahr 2050 um bis zu 40 Prozent billiger sein, als in Europa produzierter Strom. Diese Prognose trifft das Desertec Industriekonsortium (DII) in einer ersten Machbarkeitsstudie für das 2009.
münchen/MZ/tmh. 

Sonnenstrom aus der Sahara wird im Jahr 2050 um bis zu 40 Prozent billiger sein, als in Europa produzierter Strom. Diese Prognose trifft das Desertec Industriekonsortium (DII) in einer ersten Machbarkeitsstudie für das 2009 von deutschen Konzernen aus der Taufe gehobenen Wüstenstromprojekt, das einmal 19 Prozent zur Stromversorgung in der EU beitragen soll. "Es geht um Energie ohne Nebenwirkungen, die Basis für die große Energiewende", unterstrich DII-Chef Paul van Son in München. Europa könne ab 2050 jährlich 33,5 Milliarden Euro Stromkosten sparen, wenn günstiger Wüstenstrom importiert wird. Der sei auch stabiler verfügbar als erneuerbare Energie aus EU-Produktion.

Zugleich könnte Nordafrika und der Nahe Osten den eigenen Strombedarf komplett mit erneuerbaren Energien abdecken, werben die Desertec-Planer. Die Langfristprognose beinhalte zwar viele Unwägbarkeiten, räumte Studienmacher Mario Ragwitz ein. Aber Desertec sei für Europa unter jeder Rahmenbedingung rentabel, sagte der Chef des Fraunhofer-Instituts für Erneuerbare Energien.

Welche Kosten diesen potenziellen Einspareffekten gegenüberstehen, ist allerdings unklar. Erste Schätzungen über 400 Milliarden Euro, die 2009 gemacht wurden, hat DII wieder kassiert. Der Preis für Kraftwerke und neue Stromtrassen sei seriös derzeit nicht zu beziffern, räumte DII-Strategiechefin Aglaia Wiegand ein. Erkenntnisse dafür wolle man aus mehreren Referenzprojekten für 2,5 Gigawatt erneuerbarer Leistung gewinnen, die derzeit in Marokko, Tunesien und Algerien geplant sind.

Am weitesten gediehen sind zwei marokkanische Sonnenstromprojekte mit einem halben Gigawatt Leistung und zwei Milliarden Euro Kosten. Dafür gebe es genug Investoren, aber noch keine Risikoabsicherung über Staaten oder die Versicherungswirtschaft, sagte Wiegand. Bis Herbst 2012 soll aber alles unter Dach und Fach sein. Der erste Strom werde im Jahr 2014 fließen, über bereits bestehende Leitungen zwischen Marokko und Spanien.

"Für das Investitionsklima ist es eine schwierige Zeit", räumte Wiegand mit Blick auf die europäischen Schuldenkrisen ein. Andererseits fehle es dem reichlich vorhandenen Kapital in der Finanzwelt derzeit an Anlagemöglichkeiten, die Desertec biete. Son hofft auf Milliarden-Investitionen vor allem auch aus reichen Ölländern wie Saudi-Arabien,