Photovoltaik: Windhundrennen um die Förderung

10.05.2012 19:11 Uhr | Aktualisiert 10.05.2012 21:09 Uhr
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SMA Solar

Die Verunsicherung über die künftige Solarförderung hat SMA Solar einen glänzenden Jahresauftakt beschert. (GRAFIK: DPA)

Von Frank-Thomas Wenzel
Weil die Vergütung für Solarstrom sinken soll, sind noch schnell Anlagen zu alten Bedingungen gebaut worden.
Berlin/MZ. 

Das gab es schon lange nicht mehr: Die Aktie von Solarworld schoss am Donnerstag zeitweise um zwölf Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hat für das erste Quartal Zahlen vorgelegt, die weit über den Erwartungen der Branchenkenner lagen. Solarworld verdiente operativ rund 31 Millionen Euro. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch viel kräftiger präsentierte sich SMA Solar aus Niestetal bei Kassel. Der Profit vor Zinsen und Steuern kletterte auf knapp 43 Millionen Euro, das ist dreimal so viel wie in den ersten drei Monaten des Vorjahres.

Doch Alexander Stiehler, Analyst bei der UBS, warnt vor zu viel Euphorie: "Die Ergebnisse sind vor allem auf Vorzieheffekte zurückzuführen." Er meint damit, dass beide Firmen letztlich von der erbitterten Diskussion um die Kürzung der Förderung des Sonnenstroms profitieren. Das ermunterte offenbar Eigenheimbesitzer und Investoren, noch schnell in den ersten drei Monaten neue Anlagen zu installieren und ans Netz anzuschließen. Denn damit sichern sie sich noch die alten Fördersätze, und zwar für eine Dauer von 20 Jahren.

"Wir spüren eine starke Verunsicherung der Kunden speziell im April", sagte Frank Asbeck, Chef von Solarworld, dem hiesigen Marktführer für Solaranlagen. Die Kunden wüssten derzeit nicht, wohin die Reise gehe. "Eine Verstetigung der Nachfrage erwarten wir erst im zweiten Halbjahr". Von einem "Bärendienst" der Bundesregierung für die Branche sprach Pierre-Pascal Urbon, Vorstandschef von SMA - das Unternehmen zählt zu den Weltmarktführern bei Wechselrichtern, die Elektrizität der Solaranlagen in Strom umwandelt, der für das Netz kompatibel ist. Urbon meint damit, dass der Boom im ersten Quartal mit einem Rückschlag in der zweiten Jahreshälfte bezahlt werden könnte.

Der Hintergrund: Der Bundestag hat eine Kürzung der Einspeisevergütung beschlossen. Sie soll zwischen 20 und fast 30 Prozent je nach Größe der Anlage liegen. Am Freitag wird der Bundesrat die Pläne diskutieren. Vieles spricht dafür, dass das Gesetzespaket im Vermittlungsausschuss landet und die Kürzung schließlich abgemildert wird. Gleichwohl könnten die beiden deutschen Branchengrößen in den nächsten Monaten in arge Bedrängnis kommen - zumal der Wettbewerb hart ist.

Wie düster es hierzulande in der Branche aussieht, zeigt auch der auf die Solarindustrie spezialisierte Maschinenbauer Centrotherm: Das Unternehmen rutschte im ersten Quartal mit einem Verlust von 30,6 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen - denn viele Photovoltaikfirmen können sich derzeit keine Investitionen in neue Produktionsanlagen leisten.

Die asiatische Konkurrenz, die erheblich billiger als hiesige Firmen produziert, führt aber zugleich dazu, dass die Preise für Solaranlagen immer weiter sinken. Trotz niedrigerer Einspeisevergütung können Betreiber deshalb nach wie vor beachtliche Gewinne machen. Die Zeitschrift Ökotest etwa berichtet in ihrer Mai-Ausgabe, dass bei Hausdachanlagen nach wie vor Renditen auf das eingesetzte Kapital in zweistelliger Höhe möglich sind.

Deshalb sieht auch Bernd Schüssler vom Fachblatt Photon die Sache gar nicht so negativ: "Wir erwarten in diesem Jahr einen Zubau mit einer Leistung von acht Gigawatt plus x." Das wäre ein neuer Rekordwert. 2011 waren es 7,5 Gigawatt gewesen.