China droht seine Position als führender Investor in Deutschland zu verlieren. Die USA dürften in diesem Jahr an der Volksrepublik vorbeiziehen und ihren 2011 verloren gegangenen Spitzenplatz zurückerobern, sagte die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Gesellschaft für Germany Trade & Invest (GTAI) in einer Zwischenbilanz am Mittwoch voraus. „Wir rechnen wie im Vorjahr mit insgesamt mehr als 800 Neuansiedlungen ausländischer Unternehmen - vom Vertrieb bis zur Produktion“, sagte GTAI-Experte Andreas Bilfinger der Nachrichtenagentur Reuters. „Die meisten Investoren kommen aus den USA, gefolgt von China und der Schweiz.“
Gefragt ist Deutschland vor allem auch als Produktions- und Forschungsstandort. „Es sind die klassischen Branchen, in denen hier investiert wird“, sagte Bilfinger. Dazu gehören der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Chemieindustrie und die Gesundheitsbranche. „Auch die Energiewende lockt Investoren an, ob Speicherung, neue Netze oder ernergieeffiziente Produkte.“
Gebremst werden ausländische Investitionen durch schwierige Finanzierungsbedingungen. „Es gibt zwar keine Kreditklemme, aber viele Interessenten kommen nicht so leicht an Kredite wie in früheren Zeiten“, sagte Bilfinger. „Dennoch wird auch 2012 ein erfolgreiches Jahr für die Ansiedlung neuer Unternehmen.“
Die Bundesrepublik gehört als einziger Euro-Staat zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt, fand die Schweizer Business School IMD bei einer weltweiten Umfrage unter Tausenden Geschäftsleuten heraus. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young unter 400 großen und mittelständischen Unternehmen in China ist Deutschland in Europa das mit großem Abstand begehrteste Ziel für Investitionen und Zukäufe.