Ein Taxifahrer zeigt mit seinem iPhone die App «MyTaxi». Das Taxi per Telefon zu rufen, war gestern. Das gilt zumindest für diejenigen, die sich dynamisch und modern geben: Sie bestellen auf dem Smartphone via Internet. (FOTO: DPA)
Eva muss vom Flughafen in die City und bestellt ein Taxi. Adam sitzt im Park und will zum Bahnhof. Ihre Richtung ist gleich. Ein Taxi übernimmt via Internet beide Aufträge. Sammelfahrten sind für die Kundschaft billiger. Auch der Umwelt tut es gut. Und der Fahrer freut sich über den Auftrag. Eine Taxi-Applikation (App), die kostenlos auf das Smartphone geladen werden kann - in diesem Fall Colexio - macht es möglich: In München schon heute, demnächst auch in Berlin. Denkbar ist das Modell nach Angaben der Betreiber später jedoch auch in Halle, Magdeburg oder Dessau. Alteingesessene Taxi-Zentralen spüren die App-Konkurrenz schon jetzt, fürchten um Aufträge und beginnen aus dem Grund gleichfalls aufzurüsten.
Taxi-Apps gibt es bereits in mehreren Varianten. Auslöser des Trends ist das Start-up-Unternehmen Intelligent App in Hamburg, bislang mit „myTaxi“ der Marktführer. Vor allem junge Leute sind begeistert und äußern sich in Internet-Foren euphorisch. Und alles ist ganz einfach: Man startet die App auf seinem Smartphone. Das GPS lokalisiert den Standort. Über ein Textfeld kann man den Fahrtwunsch und zusätzliche Wünsche eingeben. Der Fahrer, der am nächsten ist, bekommt automatisch den Zuschlag. Im nächsten Augenblick erhält der Besteller neben Entfernung und Ankunftszeit des Autos auch ein Foto und den Namen seines Chauffeurs angezeigt. Mit „myTaxi“ lässt sich auch der Fahrpreis vorab berechnen. Und wie im Netz üblich, kann man die Leistung später bewerten.
Die digitale Taxi-Revolution ist in vollem Gange - so sieht es zumindest Intelligent-App-Sprecherin Lina Wüller. Die Software für das iPhone und Smartphones mit dem Betriebssystem Android garantiert die Bestellung per einfachem Knopfdruck. Der Start in Hamburg liegt ein Jahr zurück. Die Region Köln-Bonn ist seit Beginn des Jahres dabei. Inzwischen klappt es in rund 30 europäischen Städten. „myTaxi“ lässt europaweit bereits mehr als 10.000 Taxis rollen.
Ostdeutschland weist hingegen noch viele weiße Flecken auf. Der Grund: Lohnenswert ist das Geschäft vor allem in Ballungszentren mit entsprechender Nachfrage. Bislang sind im Osten Berlin, Potsdam und Leipzig angeschlossen. Wüller ist dennoch optimistisch. „Langfristig soll die Anwendung bundesweit eingeführt werden.“ Rückenwind für das Projekt kommt von Konzernen wie Mercedes-Benz und Telekom. Mit zehn Millionen Euro, das ist ein offenes Geheimnis, beteiligen sich die Unternehmen an dem Projekt. Die Motive liegen auf der Hand: Bei geschätzten 400 Millionen Taxi-Fahrten im Jahr können große Gewinne eingefahren werden.
Vermittlung für 79 Cent
Taxi-Unternehmer, die die App für zusätzliche Aufträge nutzen, zahlen für jede Vermittlung 79 Cent an „myTaxi“. Ganz billig ist das nicht. Einige Funk-Zentralen verlangen weniger für die Vermittlung von Fahrten. Andererseits können die Fahrer die Kosten senken. Wer auf seinem Wagen für „myTaxi“ wirbt, zahlt weniger - laut Intelligent App 49 Cent pro Vermittlung. Ansonsten sind die Startbedingungen einfach: Der Taxi-Unternehmer benötigt lediglich ein Smartphone. Die Fahrer-App kann auch er sich kostenlos von der Internetseite des Anbieters herunterladen.
Unter Taxi-Fahrern ist das Echo auf die neue App nicht einhellig. Jene, die sie nutzen, verweisen in Umfragen auf insgesamt gute Erfahrungen. Andere, die noch abwarten, fürchten den härteren Kampf um jeden Fahrgast. Nur eine Minderheit glaubt, dass die Leute künftig häufiger als jetzt auf ein Taxi umsteigen. Dabei würden neue Kunden dringend benötigt. In Halle beispielsweise warten Taxi-Fahrer oft sehr lange auf den nächsten Fahrgast, manchmal bis zu vier Stunden. Rund 250 Fahrzeuge sind rund um die Uhr einsatzbereit - oft aber bleiben sie leer. Beate Kiel, Leiterin der Taxi- und Mietwagengenossenschaft, sieht daher in der Taxi-App vor allem „eine zusätzliche Bestellmöglichkeit“. Aber natürlich wolle man sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Deshalb arbeite die Genossenschaft bereits an einer eigenen App. Ende Juni soll sie den Mitgliedern auf einer Vollversammlung vorgestellt werden.
In Leipzig, wo „myTaxi“ bereits funktioniert, ist man schneller. Rolf Kaden, Geschäftsführer der Löwen-Taxi-Genossenschaft mit 220 Autos, sagt: „Wir halten dagegen und nutzen unseren Heimvorteil.“ So habe Löwen-Taxi, das ansonsten eines der weltweit modernsten Funksysteme nutzt, bereits eine App entwickeln lassen und eingeführt. Das Angebot kann gleichfalls kostenlos von der Homepage heruntergeladen werden. „Und wir bieten mehr als ein Internet-Unternehmen“, betont Kaden. Die App sei zeitgleich mit der Funkzentrale verbunden, so dass Sonderwünsche problemlos realisiert werden können. Auch wer vier oder fünf Taxen auf einmal brauche oder wer drei Kinderwagen transportieren lassen will, dem könne geholfen werden. Zum Service gehöre zudem die schnelle Hilfe, wenn Dinge im Taxi liegen geblieben sind. Überhaupt, die von „myTaxi“ herausgeforderte Konkurrenz stellt sich neu auf. Zentralen wollen kooperieren
Taxi-Zentralen aus Deutschland und dem Ausland streben eine europaweite App-Kooperation an. Das Ganze läuft unter dem Logo „taxi.eu“. Ob Berlin oder Paris, Cottbus oder Barcelona, Mitinitiator Thomas Lohse von „Hansa-Funk“ Hamburg hofft, dass so bald mehr als 40 000 Taxis in mindestens acht Ländern erreichbar sein werden. Mit dem Taxi nach Paris? Nichts leichter als das - per App.