Anfang des Jahres führte Sovello-Chef Reiner Beutel Besucher noch stolz durch sein Werk in Bitterfeld-Wolfen. Beutel war gerade aus den USA zurückgekehrt. Dort hatte er vom insolventen Unternehmen Evergreen 200 sogenannte Quad-Öfen ersteigert. Die 35-Millionen-Euro-Investition sollte den Solarmodul-Hersteller Sovello mit 1.250 Beschäftigten wettbewerbsfähig gegenüber der starken chinesischen Konkurrenz machen. Doch ob dieser Plan aufgeht, ist seit gestern ungewiss. Sovello stellte beim Amtsgericht Dessau-Roßlau den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Nach MZ-Informationen hatte das Unternehmen ein Liquiditätsloch in Millionenhöhe.
Preisverfall belastet Hersteller
Die Insolvenz soll nach Willen der Sovello-Führung in sogenannter Eigenverwaltung geschehen. Die Firma nutzt dabei eine erst vor wenigen Monaten eingeführte Gesetzesänderung. Die Geschäftsführung um Firmenchef Beutel bleibt weiter am Ruder, das Gericht hat lediglich den Rechtsanwalt Bernd Depping zum vorläufigen Sachverwalter bestellt. Dieser kümmert sich zunächst um das Insolvenzgeld für die Beschäftigten und prüft den Sanierungsplan der Firmenführung.
Beutel sagte gestern laut Mitteilung: „Wir schätzen die Lage so ein, dass das Unternehmen in dem schwierigen Marktumfeld, das von Förderkürzung, Überkapazitäten und Preisverfall geprägt ist, mit den Instrumenten der Insolvenzordnung nachhaltig saniert werden kann.“ Die Firma mit einem Jahresumsatz von 200 Millionen hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren Verluste geschrieben - sich am Markt dennoch beachtlich geschlagen.
Doch damit ist nun offenbar Schluss: Derzeit kippen deutsche Solar-Unternehmen wie Dominosteine um: Am 3. April meldete das benachbarte Solar-Unternehmen Q-Cells Insolvenz an. Nach Angaben von Branchenkennern hat sich der rasante Preisverfall von Solarmodulen 2012 ungebrochen fortgesetzt. Die Preise sollen bei 70 Cent pro Watt liegen - dafür kann kein deutscher Hersteller produzieren. Diese Entwicklung soll auch das Finanzierungskonzept von Sovello über den Haufen geworfen haben.
Das Unternehmen produziert Wafer (dünne Scheiben aus Silizium), Solarzellen und Solarmodule unter einem Dach. Die sogenannte String-Ribbon-Technologie benötigt 50 Prozent weniger des teuren Rohstoffs Silizium als herkömmliche Verfahren. Zudem hatte Sovello noch unter dem Ex-Chef Ted Scheidegger ein schlagkräftiges Vertriebsteam aufgebaut, welches die Solarmodule an viele landwirtschaftliche Betriebe verkaufte. Sovello galt lange als positives Beispiel in der kriselnden Branche.
Gewerkschaft fordert Hilfe
Die Nachricht der Insolvenz ist nach Worten von Erhard Koppitz, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE, für die Beschäftigten zunächst ein Schock. „Insolvenz bedeutet aber nicht aus Aus“, so Koppitz. Es sei nun Aufgabe der Firmenleitung, der Betriebsräte und der Politik, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten. Ähnlich äußerte sich Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU): „Wir haben den Sanierungsprozess des Unternehmens in den vergangenen Monaten intensiv begleitet und bedauern die jetzige Entwicklung. In der Insolvenz liegt aber auch die Chance, Sovello neu aufzustellen.“ Das Land hat über Fördermittel und Darlehen der Förderbank einen zweistelligen Millionen-betrag in das Unternehmen gesteckt. Als Gläubiger hat es im Verfahren ein gewichtiges Wort mitzurechen.