Blick auf den Firmensitz des Solarunternehmens Sovello in Bitterfeld-Wolfen (FOTO: DPA)
Angesichts der Pleiten von Q-Cells und Sovello prüft das Land Sachsen-Anhalt die Beteiligung an Solar-Unternehmen. "Dies ist eine Option", sagt Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) im MZ-Gespräch. Geprüft werde, ob man sich bei einem Zuschuss vorübergehend Eigenkapitalrechte an Unternehmen geben lasse. "Ein Einstieg macht aber nur Sinn, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es die Firmen danach auch aus eigener Kraft schaffen."
Der ehemalige Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum, hatte am Montag in der MZ für den Einstieg des Staates in angeschlagene Solarunternehmen plädiert. Es müsse ein Übergang organisiert werden, um die Firmen zu halten und konkurrenzfähig zu machen.
Der Forscher sieht erneuerbare Energien als wichtiges Standbein der Wirtschaft. "Solar ist für Ostdeutschland, was für Süddeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Fahrzeugindustrie war."
Die Gewerkschaft IG BCE verlangt einen runden Tisch für die Solarindustrie. "Es geht darum, dass wir alle an einen Tisch holen", sagte Bezirksleiter Erhard Koppitz. Unternehmen, Betriebsräte, Politik und Gewerkschaften müssten gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Politik sei nun gefordert, vernünftige Rahmenbedingungen für die Branche zu setzen. Dazu zähle etwa auch die Frage, ob Kommunen mehr in den Aufbau von Solaranlagen investieren könnten.
Nach dem Insolvenzantrag am Montag arbeitet der Solarmodul-Hersteller Sovello mit gedrosselter Kraft weiter. Die Produktion ist nach Unternehmensangaben um ein Drittel der Kapazität reduziert worden. Auf einer Betriebsversammlung informierte die Firmenführung gestern über das grobe Sanierungskonzept. Bis Ende August sollen nach Worten von Firmenchef Reiner Beutel "alle Sach- und Personalkosten auf den Prüfstand gestellt" werden. Ob es einen größeren Stellenabbau in der Firma mit 1 250 Mitarbeitern gibt, ließ Beutel offen. Zudem werde ein Investor gesucht.
Der Sovello-Betriebsratschef Matthias Gonschorek sagte gestern nach der Betriebsversammlung, dass die Mitarbeiter die Nachricht von der Insolvenz relativ gefasst aufgenommen hätten. "Die Angst um den Arbeitsplatz ist aber da, das ist klar", so Gonschorek. Er ist optimistisch, dass eine Sanierung gelingt: "Wir haben weltweit den dünnsten Wafer, dafür verbrauchen wir weniger Rohstoffe, arbeiten also sparsam. Das Verfahren birgt so viel Potenzial.."