Längerfristig könnten alle Benotungen, die Hersteller unter dem Warentest-Logo präsentieren, mit Gebühren belegt werden.
Bisher erhält die Stiftung lediglich eine einmalige Pauschalgebühr von 500 Euro pro Test von jedem Hersteller, der das Ergebnis präsentieren will. "Wir sind derzeit sehr intensiv damit beschäftigt, ein Logo-Lizenzsystem einzuführen", sagte Stiftungs-Vorstand Hubertus Primus. Wann es so weit sein wird, mochte Primus nicht sagen. Es seien noch rechtliche Fragen zu klären.
Und wohl noch einige andere. Die Pläne des Vorstandes nämlich sind unter den Stiftungsmitarbeitern höchst umstritten. Sowohl im journalistischen wie im wissenschaftlichen Bereich werden Bedenken laut, ein solches Lizenzsystem beschädige das höchste Gut der Stiftung nachhaltig: die wirtschaftliche Unabhängigkeit und damit die Glaubwürdigkeit. In der Tat eröffnete ein Lizenzsystem Möglichkeiten indirekter Einflussnahme auf die Tests. Schließlich können hohe Summen, die ein Unternehmen dafür zahlen müsste, um mit einem "sehr gut" werben zu können, finanzielle Abhängigkeiten erzeugen. Das wiederum ist geeignet, die Benotung anderer Produkte des gleichen Herstellers zu beeinflussen.
Solchen Bedenken stehen wirtschaftliche Fakten gegenüber, die das Erschließen neuer Einnahmequellen angeraten erscheinen lassen. Denn die Stiftung darbt an allen Fronten. Auf der einen Seite ging die verkaufte Auflage der Zeitschriften Test und Finanztest im vergangenen Jahr um insgesamt 23 000 zurück. Dies ist schmerzlich, da 90 Prozent der Stiftungseinnahmen durch den Heftverkauf erlöst werden. Auf der anderen Seite fallen die Zinsgewinne aus dem Stiftungskapital von 50 Millionen Euro, die das Bundesverbraucherministerium zur Verfügung gestellt hatte, viel niedriger aus als gedacht. Mit fünf Prozent hatte das Ministerium kalkuliert und schraubte seit 2010 den Jahreszuschuss von 6 auf 3,5 Millionen Euro zurück. Die tatsächliche Verzinsung des Stiftungsvermögens liegt laut Primus zwischen zwei und drei Prozent.
Für das laufende Jahr rechnet die Stiftung mit einem Minus von 1,3 Millionen Euro. An der prekären Lage werden selbst jene 1,5 Millionen Euro nichts ändern, die das Verbraucherministerium von 2013 an zahlt, um der Stiftung mehr Finanzmarktinformationen zu ermöglichen. Die Mittel sind durch zusätzliche Testangebote gebunden. Entlassungen oder ein reduziertes Testangebot schließt Primus zugleich aus. An der Vermarktung des Warentestlogos scheint mithin kein Weg vorbei zu gehen.