Zigarettenspürhund Britta findet noch so gut versteckte Schmuggelware. Zuletzt meldete der Zoll weniger Verstöße gegen Einfuhrbestimmungen. (FOTO: DAPD)
Noch größer war die Steigerung bei Feinschnitt, also dem Tabak, auf den preisbewusste Raucher gerne zurückgreifen, die ihre Glimmstängel gerne selber drehen. Um 15 Prozent legte der Absatz hier im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Rauchtabakindustrie, Franz Peter Marx, deutet diesen Zuwachs als positives Signal. "Die Zahlen sehen sehr gut aus" sagte er gestern.
Statistische Verzerrung
Doch schaut man sich die Statistik an, so fällt auf, dass der scheinbar explodierende Absatz nicht mehr ganz so fulminant ist, wie es auf den ersten Blick aussieht. Das hängt vor allem mit Statistischen Verzerrungen zusammen. Denn mitten im Vergleichsquartal 2011 wurde die Tabaksteuererhöhung im Rahmen eines neuen Verbrauchergesetzes fällig.
Zum 1. Mai erhöhte sich demnach der Preis für Zigaretten um vier bis acht Cent pro Stück, für Feinschnitt um 12 bis 14 Cent pro Gramm. Dieser Eingriff wirkte sich deutlich auf das Kaufverhalten der Raucher aus. Zwischen April und Mai brach der Absatz versteuerter Zigaretten stark von 7,1 Milliarden auf 5,8 Milliarden Zigaretten ein. Auch beim Absatz des Feinschnitts war die Steuererhöhung deutlich zu spüren: Wurden im April 2011 noch 2 000 Tonnen abgesetzt, waren es im Mai 300 Tonnen weniger. Entsprechend absatzschwach präsentierte sich das gesamte Quartal. Allerdings haben sich im Vorfeld auch viele Raucher mit den noch billigeren Zigaretten eingedeckt.
Doch wie so oft, wenn die Preise steigen, hielt sich auch hier die Kaufzurückhaltung in Grenzen. Zwei Monate später stabilisierte sich der Absatz, so dass sich ausgehend von diesem zwischenzeitlichen Tiefpunkt die Zahl der versteuerten Tabakwaren kontinuierlich nach oben entwickelt hat.
Auch im Hinblick auf die Steuereinnahmen wird der Verzerrungseffekt deutlich. Im Vergleich zum 2. Quartal 2011 sind Einnahmen aus der Tabaksteuer um 12,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro gestiegen. Bezogen auf das erste Halbjahr sind die Werte jedoch fast identisch.
Hier scheint sich insgesamt jedoch ein Trend abzuzeichnen. Wie bereits im vergangenen Jahr stiegen die Einnahmen - wie von der Bundesregierung beabsichtigt - im Vergleich zum Vorjahr, beziehungsweise sind zumindest stabil geblieben. In Jahren vergangener Tabaksteuererhöhungen war dieser Wert stets gesunken, da die gestiegenen Einnahmen die wegbrechenden Stückzahlen nicht kompensieren konnten.
Feinschnitt stärker belastet
Dieses Mal dürfte ins Gewicht fallen, dass sich Preise für Feinschnitt durch die jüngsten Erhöhungen besonders erhöht haben. Die Zahlen zeigen nämlich: Der Trend, sich die Zigaretten selber zu drehen, geht wieder zurück. Die gewöhnliche und hoch besteuerte Zigarette wird für Raucher wieder attraktiver. Zudem scheinen Raucher nach Angaben des Zolls vermehrt auf legale Zigaretten zurückzugreifen. Die Zahl der sichergestellten Glimmstängel im Schwarzhandel und geschmuggelter Ware ist zuletzt gesunken.