Versandhändler: Billigmode soll Neckermann attraktiv machen

04.05.2012 20:07 Uhr | Aktualisiert 04.05.2012 20:47 Uhr
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Karton von Neckermann

Ein fertig gepackter Karton wird in der Packerei in der Zentrale von Neckermann.de in Frankfurt am Main auf einem Band zum bereit stehenden LKW befördert. (FOTO: DPA)

Die Gewerkschaft will mit einem eigenem Konzept Jobs beim Versandhändler retten. Die Arbeitnehmervertreter von Neckermann sind eigentlich in einer günstigen Position: "Wir haben nichts zu verlieren", sagt Thomas Schmidt, Betriebsratschef der Logistiksparte und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.
frankfurt (main)/MZ/fw. 

Die Arbeitnehmervertreter von Neckermann sind eigentlich in einer günstigen Position: "Wir haben nichts zu verlieren", sagt Thomas Schmidt, Betriebsratschef der Logistiksparte und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Die Gewerkschafter legten gestern - unterstützt vom Wirtschaftsprüfer Günter Stolz - ihr Konzept für die Zukunft von Neckermann vor. Kernpunkt: Das Textil-Geschäft wollen sie stärken, um möglichst viele Jobs zu retten.

In die exakt entgegengesetzte Richtung zielen die Pläne, die das Management vorige Woche vorstellte. US-Finanzinvestor Sun Capital, der den traditionsreichen Versandhändler kontrolliert, will bis zum Jahresende kostenträchtige und defizitäre Geschäftsfelder dicht machen und dabei mit 1 380 Stellen die Belegschaft etwa halbieren. Die gedruckten Kataloge soll es künftig nicht mehr geben, das stark vom Katalog abhängige Geschäft mit Eigenmarken bei den Textilien soll eingestellt werden. Hemden, Hosen und anderes will man dann nur noch von Kooperationspartnern über die Neckermann-Website verkaufen. Damit würde dann auch die Logistik in Frankfurt überflüssig, die laut Schmidt zu fast 90 Prozent vom Textilgeschäft abhängig ist. Neckermann wäre auf seinen profitablen Kern, den Online-Handel, insbesondere mit Möbeln, Heimtextilien und technischem Gerät, zusammen gestutzt. Vieles spricht dafür, dass die Manager dadurch endlich schwarze Zahlen schreiben wollen.

Der Versender mit einem Umsatz von knapp 1,3 Milliarden Euro hat seit dem Einstieg von Sun Capital im Jahr 2008 stets Verluste gemacht. Stolz bezeichnete den Umbauplan als einen Schnellschuss. Die Annahmen der Geschäftsführung und der Zeitplan seien "überwiegend unrealistisch" - das gelte insbesondere für die "vorgesehene Massenentlassung ohne Abfindung". Völlig unverständlich ist für den Wirtschaftsprüfer die geplante Abschaffung der Textileigenmarken. Der Grund: Das Online-Geschäft mit Bekleidung wächst. Die Eigenmarken müssten neu justiert werden. Vor allem gelte es, auf das preisaggressive Verhalten im Internet zu reagieren - das heißt, es soll mehr Billigangebote geben.