Die Internetseite des Versandhändlers Neckermann.de (FOTO: DPA)
Mit dem Versandhändler Neckermann ist ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen pleite. Wie Neckermann und die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag in Frankfurt am Main übereinstimmend mitteilten, war der US-Investor Sun Capital Partners als Alleineigentümer nicht bereit, eine Einigung zur Sanierung des Unternehmens mit der Belegschaft mitzutragen. Deswegen sei Insolvenzantrag gestellt worden.
Sun Capital Partners habe das Ergebnis der Sanierungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern für „nicht tragfähig“ erachtet und Neckermann deswegen mitgeteilt, „keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung“ zu stellen, erklärten das Unternehmen und Verdi. Das Unternehmen könne deswegen nicht wie bisher fortgeführt werden. Der Insolvenzantrag sei deshalb „unausweichlich“. Die Geschäftsführung werde aber alles daran setzen, das laufende Geschäft auch in der vorläufigen Insolvenz aufrechtzuerhalten.
In den vergangenen Wochen hatten Neckermann zäh mit der Gewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat verhandelt. Nach einem vorläufigen Scheitern der Sanierungsgespräche erzielten die Parteien am Mittwoch dann einen Kompromiss. Sie verständigten sich den Angaben zufolge „in begrenztem Umfang auf Abfindungen und Transfergesellschaften“. Auch in weiteren Punkten sei eine Einigung zwischen Unternehmen und Belegschaft erzielt worden. Eigentümer Sun Capital Partners aber habe dieses Ergebnis nicht mitgetragen, erklärte Neckermann.
Erst im April hatte Neckermann seine Neuausrichtung bekanntgegeben. Das Unternehmen wollte das Geschäft mit dicken Versandhauskatalogen aus Papier vollständig beenden. Unter dem Namen Neckermann.de sollte es zum reinen Internet-Händler werden. In diesem Zuge wollte sich die Traditionsfirma auch von 1 380 seiner rund 2 500 Beschäftigten trennen. Das Sortiment sollte neu geordnet und in den Bereichen Technik und Möbel ausgebaut werden.
Offen bleibt zunächst, ob auch die Zukunft des Neckermann-Versandzentrums in Großzöberitz (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) in Gefahr ist. Alles Weitere werde der Insolvenzverwalter entscheiden, sagte eine Unternehmenssprecherin. In dem nahe der Autobahn 9 (Berlin-Nürnberg) gelegenen Versandzentrum gibt es ihren Angaben zufolge 260 Vollzeitbeschäftigte. Der Neubau war 1995 im Gewerbepark Heideloh in Betrieb genommen worden. Rund 100 Millionen D-Mark waren nach damaligen Angaben investiert worden.
Neckermann, 1950 in Frankfurt am Main gegründet und mit dem Slogan „Neckermann macht’s möglich“ groß geworden, hatte 1995 als eines der ersten Versandhäuser in Deutschland das Onlinegeschäft gestartet - hielt aber auch am Katalog fest. Neckermann gehörte bis Anfang 2008 zum ebenfalls pleitegegangenen Handelskonzern Arcandor. Arcandor war 2009 in die Insolvenz gerutscht. Zu dem Konzern gehörte auch der Versandhändler Quelle, der als Katalogversender ebenfalls Probleme hatte.