Hans Binder aus Haardorf ist sauer. Denn zum wiederholten Mal wird die Ortsdurchfahrt, die an seinem Grundstück vorbei geht, als Umleitungsstrecke herhalten müssen. Ab Montag wird in der Osterfelder Bahnhofstraße gebaut, dann ist als erster Bauabschnitt der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße (L 190) /Abzweig Waldau gesperrt. So teilt es das Straßenverkehrsamt des Burgenlandkreises mit. Der gesamte Verkehr wird dann von der L 190 über Haardorf rollen, weiter nach Kleinhelmsdorf, Meineweh, zur B 180 bis nach Osterfeld.
Spurrillen und Senken
"Und wieder fährt alles bei uns lang", schimpft Binder. Die Straße vor seinem Haus ist schon jetzt in einem desolaten Zustand, Spurrillen und Senken sind sichtbar, an vielen Stellen liegen die Randbereiche tiefer als die Fahrbahnmitte. An einigen Bordsteinkanten sind Schrammen zu sehen.
Schon als im Frühjahr die Brücke in Waldau wegen Bauarbeiten gesperrt war und der Verkehr über Haardorf rollte, wandte sich Binder an die MZ. Die Lärmbelastung durch den Verkehr war schlimm, Tassen und Gläser im Schrank klapperten, beschrieb er damals. Auch Andrea Holz, die in der Hauptstraße wohnt, berichtete, dass ihr Haus bei jedem Lkw vibrierte. Nun fürchtet Binder, dass es ab Montag so weiter geht. Bis 5. September soll die Sperrung des ersten Abschnittes dauern.
Wie schon im Frühjahr fordern Stadt und Anwohner, dass der Kreis, der die Umleitung genehmigt hat, die Ortsdurchfahrt Haardorf ertüchtigen soll, damit sie den stärkeren Verkehr aushält. Um den Lärm zu mindern, kam der Vorschlag auf, eine Schwarzdecke aufzubringen. "Wir haben das so oft öffentlich angesprochen", bekräftigt Osterfelds Bürgermeister Gerd Seidel (SPD). Doch passiert ist bisher nichts. "Wir wollen das so nicht hinnehmen. Wir fordern doch keinen grundhaften Ausbau, nur eine Ertüchtigung, damit die Straße nicht so großen Schaden nimmt", sagt Seidel. Denn ist die Straße, die der Kommune gehört, erst einmal kaputt und müsste saniert werden, muss die Stadt laut Satzung die Anwohner dafür mit Ausbaubeiträgen zur Kasse bitten.
Sorge um Straße
Um zu verhindern, dass es soweit kommt, kämpft Seidel seit Monaten dafür, dass die Straße eine Asphaltdecke bekommt. Da die Umleitungen über diese Straße vom Kreis genehmigt werden, solle der auch dafür aufkommen, so die Meinung. "Der viele Verkehr, das gibt der Unterbau der Straße gar nicht her, wer weiß, ob nicht im Kanalnetz schon irgendwas Schaden genommen hat", sagt Seidel.
Die Sorge teilt der einstige Haardorfer Bürgermeister Karlheinz Hoppert. "Die Umleitung ist keine erfreuliche Sache", sagt er. Wenngleich er der Ansicht ist: "Hätte man sie weiträumiger gemacht, etwa über Schkölen, wären die Ortskundigen trotzdem hier langgefahren." Da es sich nun um die offizielle Umleitung handelt, so Hoppert, habe die Stadt wenigstens eine Handhabe und kann verlangen, dass Schäden, die in dieser Zeit entstehen, repariert werden.
Das sagt auch Thomas Jähnel vom Schul- und Bauamt der Kreisverwaltung. Eine Schwarzdecke aufzubringen, sei nicht möglich. "Da sind uns haushaltsrechtlich die Hände gebunden. Wir sind in diesem Fall nicht der Baulastträger und somit nicht zuständig", erklärt er. Die MZ wird am Thema dranbleiben.