Norbert Stark (links) und Oskar Klemm schmökern in der Abschlussarbeit aus dem Jahr 1952, einem Diktat. (FOTO: RONNY BANAS)
Es war eine knallharte Bewertung. Fünfeinhalb Fehler auf anderthalb A4-Seiten. Und dafür bekam Norbert Stark eine Drei. Die so benotete Arbeit schrieb Stark vor 60 Jahren. Am Sonnabend bekam sie der Senftenberger zum Klassentreffen von ehemaligen Reudener Schülern zum ersten Mal wieder zu sehen. "Ich war gar nicht so schlecht", stellte er beim Blick auf das Diktat fest und las die Zeilen noch einmal.
Auf die Idee, alte Abschlussarbeiten noch einmal in die Runde zu reichen, kam Ingrid Klemm, Organisatorin des Klassentreffens in der Kretzschauer Jugendherberge. "Ich hatte es auch relativ leicht, da ran zu kommen", sagte sie. Jahrelang habe sie in der jetzigen Sekundarschule der Gemeinde Elsteraue als Sekretärin gearbeitet und die 60 Jahre alten Dokumente vor dem Reißwolf gerettet. "Es ist immer wieder lustig, so etwas nach all den Jahren noch einmal zu zeigen", so Ingrid Klemm. Zwölf ehemalige Klassenkameraden waren es, die sich am Sonnabend samt Partnern trafen, um über alte Zeiten zu plaudern. Manche haben dabei eine halbe Weltreise unternommen. Wie zum Beispiel Gudrun Hachenthal, die aus dem Rheinland-pfälzischen Bad Ems in ihre alte Heimat zurückgekehrt war. "Ja doch, es kommen ein paar Erinnerungen wieder hoch, obwohl ich in der Region kaum noch bin. Trotz allem ist es toll, wieder mal hier zu sein", sagte sie.
Von Norbert Starks Werken war unterdessen am Sonnabend nicht nur die Drei in Deutsch zu sehen, sondern auch seine Abschlussarbeit in Russisch. Und die fiel bei Weitem nicht so gut aus. Mangelhaft stand darunter. Jedoch nicht nur bei ihm, wie Ingrid Klemm erinnerte. "In Russisch hat damals die komplette Klasse, 18 Mädchen und neun Jungs, eine Fünf bekommen. Vermutlich lag das aber nicht an uns, sondern daran, dass der Lehrer so schlecht war."