Marco Spielmann erhielt erst ein Praktikum, danach eine Festeinstellung in der Firma Camet in Spora. (FOTO: HELGA FREUND)
Winfried Fröhlich geht aufmerksam über den Hof, mal mäht er Rasen, dann wieder hilft er in der Werkhalle oder räumt auf. Der 54-Jährige hat in der Firma Camet in Spora einen Minijob. "Ich kenne mich hier aus. Erst wurden kleine Dampfmaschinen als Spielzeug hergestellt und später Dreiräder", erzählt Fröhlich. Früher arbeitete er als Anlagenfahrer und Heizer, doch das ist schon lange her. Denn nach der Wende war er etwa 15 Jahre arbeitslos. Über das Projekt "Zukunft mit Arbeit" fand Fröhlich in der Firma Camet zuerst ein Praktikum, danach wurde daraus ein Minijob.
Fördermittel fließen
Klaus Niemeczek vom Bildungs- und Beratungsinstitut (BBI) in Zeitz machte es möglich. "Mit der Firma Camet arbeiten wir gut zusammen", erzählt er. Und im Fall Winfried Fröhlich habe schließlich alles gepasst. Der Arbeitnehmer besitzt keinen Führerschein und kein Auto, galt damit als schwer vermittelbar. Der Minijob vor der Haustür sei nahezu ideal.
Doch das ist kein Einzelfall. Ein anderes Projekt richtet sich gegen die Abwanderung junger Leute aus Sachsen-Anhalt. Fördermittel fließen hier aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Und auch in diesem Fall begann alles mit einem Praktikum. Marco Spielmann ist 21 Jahre alt, bewährte sich bei den praktischen Arbeiten in der Firma Camet. Er hilft in der Produktion, arbeitet mit beim Abstrahlen und Beschichten der Teile.
So werden an diesem Tag rund 400 Profile für Türen und Fenster beschichtet, dann wieder ist es eine Balkontür oder das Gestell einer alten Nähmaschine. Ein Unikat kommt aus dem Zeitzer Museum Schloss Moritzburg: Es ist ein Hochrad mit einem Durchmesser von 1,50 Meter, das in seine Einzelteile zerlegt und abgestrahlt wird.
Marco Spielmann konnte sich im Praktikum ausprobieren, bewährte sich und erhielt nun einen Arbeitsvertrag. "Ich habe jetzt zwölf Beschäftigte. In dieser Größenordnung soll es auch bleiben", sagt Dirk Högel. Er führt das Familienunternehmen in der dritten Generation. Denn sein Großvater Rolf Högel gründete die Firma im Jahre 1949. Damals wurden Modell-Dampfmaschinen produziert, später fertigte man Dreiräder und Speichen für die Zeitzer Kinderwagenfabrik. Heute hat das Unternehmen seine Nische im Markt mit Pulverbeschichtung und Sandstrahlerei gefunden. Erst kürzlich wurden beispielsweise riesige Fenster- und Türrahmen für den Leipziger City-Tunnel in Spora aufbereitet.
Schaden durch Einbrüche
"Wir liegen im Dreiländereck zwischen Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. In dieser Region sind wir auch tätig", fährt Högel fort. Doch gelegentlich hat er mit ganz anderen Sorgen zu kämpfen. "Erst neulich wurde wieder bei uns eingebrochen. Der größte Schaden war die Verwüstung", ärgert sich der Unternehmer. Aus diesem Grund installiert Högel jetzt eine Videoüberwachung und baut Gitter vor die Fenster.