Bei Landwirt Hubert Heinichen hat jede Kuh einen Namen. Inzwischen ist er seit 20 Jahren als Wiedereinrichter in Profen selbstständig. (FOTO: CORINA WUJTSCHIK)
Urlaub? Die Wochenenden frei? Morgens lange ausschlafen? Das alles kommt für Hubert Heinichen nicht in Frage. Denn er hat als Wiedereinrichter einen 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr, Leben im Rhythmus der Kühe, das ist seine Welt und darin geht er auf. Aller zwölf Stunden müssen die Vierbeiner gemolken werden, das heißt für Hubert Heinichen morgens um drei aufstehen, damit um vier die Kühe das erste Mal Milch geben können.
Nachmittags um 16 Uhr wieder. Dazwischen stehen die Vierbeiner auf den 35 Hektar Weidefläche, lassen sich das saftige Gras schmecken und den frischen Wind um die Nase wehen. Auch das Jungvieh ist draußen, vom Frühjahr bis zum Spätherbst.
Seit 20 Jahren Wiedereinrichter
Das Gehöft von Hubert Heinichen befindet sich in Profen und er ist seit nunmehr 20 Jahren als Wiedereinrichter selbstständig. Seinen Wohnsitz hat er im Nachbarort Reuden. Aber eigentlich ist er die meiste Zeit in Profen, bei den 70 Milchkühen und ebenso vielen Jungtieren und Kälbern, hat auf dem Hof und ringsherum zu tun. Immerhin gibt es noch 25 Hektar Ackerland zu bewirtschaften, auf dem zum Beispiel Mais angebaut wird.
Der wird zur Silage verarbeitet und dient im Winter als Futter für die Kühe. Die haben bei Hubert Heinichen übrigens alle einen Namen und viele von ihnen tragen eine Glocke um den Hals, verrät seine Tochter Karin Heinichen. Sie arbeitet als Leiterin der Milchproduktion im Saalekreis und hilft ihrem Vater wann immer sie kann, unentgeltlich. "Dafür sind wir doch eine Familie, auch mein Mann ist an den Wochenenden mit hier", plaudert die 30-Jährige. Da braucht es natürlich ein gut funktionierendes Netzwerk aus Familie und Freunden, die sich auch mal um Karin Heinichens Töchterchen kümmern oder ihren Vater Hubert Heinichen unterstützen.
"Da gibt es ganz viele und unsere Nachbarn hier in Profen sind sehr kulant. Denn jeden Tag kommt der Milchlaster, und natürlich können wir Gerüche nicht vermeiden, die Kühe muhen auch mal und früh um vier geht die Melkmaschine an", erzählt der Landwirt.
Sinkende Milchpreise
Wie in jedem Betrieb hat Hubert Heinichen auch mit Höhen und Tiefen zu kämpfen. Er erinnert sich zum Beispiel als BSE aufkam. Das traf ihn, wie viele andere Landwirte, hart. Denn von einem Tag auf den anderen mussten alle Tiere geschlachtet werden. "Das riss ein Loch rein", sagt er. Zu kämpfen hat er auch mit den stetig schwankenden Milchpreisen. V
or allem das Jahr 2007, als der Preis für den Liter auf 18 Cent fiel, ist ihm noch in Erinnerung. Aber auch derzeit seien die Preise mit unter 30 Cent nicht optimal, erklärt Tochter Karin Heinichen. Kostendeckend zu arbeiten sei da kaum drin. Dafür konnte der Landwirt aber den Tierbestand und die Tiergesundheit kontinuierlich verbessern, dadurch steigen die Leistungen der Milchkühe.
"Das ist wie ein Baum, der langsam wächst, man freut sich über jedes gute Ergebnis", so Karin, die einmal den Betrieb vom Vater übernehmen möchte. Und er sagt: "Man muss das Beste aus allem machen, die Tiere sind meine Verantwortung, da kann ich nicht einfach gehen und mir was anderes suchen." Und etwas anderes würde er auch gar nicht wollen.