"Es stinkt nach wie vor", sagt der Weickelsdorfer Ernst Ritter und meint damit die geruchlichen Auswirkungen der Schweinemastanlage am nordöstlichen Dorfrand. Seit vierzig Jahren gibt es die Ställe dort und genauso lange haben die Anwohner mit den Nebenwirkungen zu kämpfen. Ritter hatte schon zu DDR-Zeiten in der damals existierenden Arbeiter- und Bauerninspektion Berichte über die Geruchsbelästigungen abgefasst. Heute gehört der Weickelsdorfer gemeinsam mit seiner Frau zu jenen Dorfbewohnern, die seit etwa acht Monaten sogenannte Geruchsprotokolle schreiben.
Das Landesverwaltungsamt hatte das Führen eines solchen Protokolls angeregt, stellt auf seiner Internetseite sogar ein entsprechendes Formular zur Verfügung. Akribisch haben Ritters und die Nachbarn notiert, wann genau in den zurückliegenden Monaten der Schweinedunst über das Dorf zog. Datum, Uhrzeit und manchmal auch die Witterungsverhältnisse wurden darin vermerkt. "Wir haben festgestellt, dass es nicht unbedingt etwas mit der Windrichtung zu tun hat, dass aber der Witterungswechsel schon eine Rolle spielt", glaubt Ernst Ritter. "Am Sonntagabend zum Beispiel hat es wieder ziemlich gestunken."
Dabei hatte man erst zwei Tage zuvor mit Vertretern des Stadtrates, dem Osterfelder Bürgermeister und anderen betroffenen Nachbarn zusammengesessen und besprochen, was man weiter tun kann, um das Geruchsproblem zu lösen. Zumal neben dem Führen der Geruchsprotokolle auch eine Unterschriftenaktion im Dorf initiiert wurde, in der sich die Anwohner für die Notwendigkeit der Minimierung der Gerüche aussprechen. "Die Geruchsprotokolle und die Unterschriftenlisten wollen wir nun selbst nach Halle ins Landesverwaltungsamt schaffen", nennt Bürgermeister Gerd Seidel (SPD) eine Festlegung, die man in der Versammlung am Freitagabend getroffen hat. So wolle man bei der Behörde dem Problem nochmals Nachdruck verleihen.
"Gleichzeitig wollen wir klären, was es mit dem Bestandsschutz auf sich hat, auf den sich die Betreiber der Schweinemastanlage berufen", so Seidel. Es könne doch nicht sein, dass sich Normen für Autoabgase oder für den Brandschutz verändern und die Bürger dafür investieren müssten, es aber für das Betreiben solcher Stallanlagen über die Jahre keine Veränderungen in den Bestimmungen geben soll, macht Seidel deutlich. Denn die Betreiber der Schweinemastanlage haben sich zwar gesprächsbereit gezeigt, doch eine Filteranlage, die die Gerüche minimieren könnte, können sie nicht einbauen. Zum einen sei den Betreibern die Investition zu hoch. Zum anderen würde der Einbau von Filtern eine derartige Veränderung im Betrieb bedeuten, dass es einer neuen Genehmigung bedarf, die sie aus heutiger Sicht nicht bekommen würden.