Schülerprojekt: Klassentrip in Mönchskutten

22.05.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 22.05.2012 20:28 Uhr
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Johannes Reisig (l.) und John Lippold (r.)

Johannes Reisig (l.) und John Lippold (r.) bauen an der Basilika. Angeleitet werden sie von Künstlerin und Architektin Viktoria Scholz (Mitte). (FOTO: HARTMUT KRIMMER)

Von Tobias Heyner
Kein fließendes Wasser, keine Mobiltelefone und als Kleidung Mönchskutten. Die 8. Klassen des Spalatin-Gymnasiums in Altenburg (Thüringen) müssen diese Tage so manche Entbehrung hinnehmen.
Zeitz/MZ. 

Kein fließendes Wasser, keine Mobiltelefone, Computer oder sonstige technische Geräte und als Kleidung Mönchskutten. Die 8. Klassen des Christlichen Spalatin-Gymnasiums in Altenburg (Thüringen) müssen diese Tage so manche Entbehrung hinnehmen. Doch so ging es nun einmal zu im Jahre 1525: Die Zeit der Reformation ist das große Thema ihrer fünftägigen Klassenfahrt. Auf den Spuren von Martin Luther verschlägt es sie auch zwei Tage nach Zeitz, wo sie in der Moritzburg untergebracht sind und ihren Projekten nachgehen.

"Schule trifft Reformation" nennt sich das länderübergreifende Schülerprojekt. Getragen werde es vom Verein "Auf Messers Schneide", finanziert von Firmen der Region. "Das Ziel ist es, die Jugendlichen für die damalige Zeit und ihre Umstände zu sensibilisieren - ihnen praxisnah zu vermitteln, dass man auch mit einfachsten Mitteln und ohne moderne Technik leben kann", erklärt Susanne Karge (47), eine der Projektorganisatoren.

Zudem wurden die Schülerinnen und Schüler in drei Gruppen aufgeteilt: Schreiber, Baumeister und Fahrendes Volk. Die Schreiber hatten in der Altenburger Brüderkirche bereits Flugblätter angefertigt. In Schloss Moritzburg produzieren sie nun, unter Anleitung von Museumsmitarbeiterin Ulrike Trummer (47), Bücher nach traditioneller Machart. "Sie schreiben mit Feder und Tinte sowie in Karolingischen Minuskeln (alte Schriftart)", so Trummer, "und fassen die Seiten in einen verzierten Einband aus Leder."

Eine Romanische Basilika (mehrschiffiges Kirchengebäude) gilt es für die Baumeister zu errichten. Jedoch nur als Modell und aus Ton. Eingeteilt in Steinmetze oder Maurer gehen sie verschiedenen Aufgaben nach - erbauen in vier Stunden einen Gebäudeabschnitt, der in Originalgröße etwa 50 Jahre benötigte. "Anfangs war ich skeptisch, doch nun macht es Spaß", sagt John Lippold (14) während er seine Mönchskluft zurechtrückt.

Das Fahrende Volk studiert unterdessen ein Theaterstück ein. "Wem gehört die Erde" soll es heißen und handele von der Frage, wie viel der Mensch der Welt zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse entnehmen dürfe. Das aktuelle Problem des biologischen Fußabdrucks wird somit auf einen altertümlichen Streit der Götter verlagert. Franziska Gödicke verkörpert im Stück "Fortunata", die Gerechtigkeit der gegenwärtigen Menschheit. "Das Theaterprojekt selbst ist super", so die 13-Jährige, "aber das ganze Drumherum ist manchmal etwas nervig."

Und weiter: "Duschen können wir nicht, dürfen nur ganz traditionell Wasser aus Eimern und Kernseife verwenden. Und ich habe Heißhunger auf Süßigkeiten." Mitschülerin Christina Mateev (14) sagt: "Auch sind wir ständig in den Kutten unterwegs, was mir recht peinlich ist." Am Mittwoch pilgern die Schüler in voller Kluft von Zeitz nach Tegkwitz. Unterwegs halten sie Andacht in der Kirche von Kayna.