Unwetter: Rohr wird zum Nadelöhr

03.05.2012 19:45 Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 20:05 Uhr
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Straße zwischen Rehmsdorf und Tröglitz

Erde rutschte auf die Straße zwischen Rehmsdorf und Tröglitz. Der Schlamm muss nun antrocken, ehe er beseitigt werden kann. (FOTO: HARTMUT KRIMMER)

Von Claudia Petasch
Durch das Gewitter am Mittwochabend droht nun ein Graben in Döbitzschen zu überschwemmen. In anderen Orten der Elsteraue sind die Straßen verschlammt.
döbitzschen/MZ. 

Donnerstagmittag in Döbitzschen: Helmut Pluntke steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Denn das Unwetter vom Mittwochabend hat bei ihm und seiner Frau Isolde böse Erinnerungen geweckt. Erinnerungen an den 7. Januar 2011, als große Teile von Döbitzschen überschwemmt waren, das Wasser von den Feldern ins Dorf schoss. "Und fast wäre es wieder soweit gewesen. Meine Frau ist jetzt noch völlig fertig", sagt Pluntke, der damals das Wasser zentimeterhoch im Haus hatte. Nun steht er am Ortseingang von Döbitzchen und zeigt auf einen Durchlass, der ihm und anderen Einwohnern fast zum Verhängnis geworden wäre. Denn die Rohre, die unter der Straße lang gehen, konnten die Wassermassen am Mittwochabend kaum fassen. "Es hat nicht mehr viel gefehlt und der Graben wäre übergelaufen, weiter Richtung Dorf und bei uns in den Hof", sagt der 73-Jährige.

Angst am Abend

Schon als das Unwetter begann, hatten Pluntkes ein ungutes Gefühl. "Meine Frau war ganz unruhig, an Schlaf war nicht zu denken. Sie hat nur gemeint, ich soll raus gucken, aber bei Blitz und Donner war es mir auch nicht einerlei", so der Rentner. Am Morgen sah er dann, dass seine Befürchtung, der Durchmesser der Rohre sei viel zu klein, nicht unbegründet war. Er selbst kletterte in den Graben und hat mit einer Mistgabel das angestaute Laub und Geröll entfernt, damit das Wasser abfließen kann. Bis zu 60 Zentimeter tief waren die Rohre verstopft. "Genau wie wir seit Monaten gesagt haben, aber es muss ja erst was passieren", schimpft der Döbitzschener. Im Frühjahr 2011 hat die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB), dem die Straße und damit auch das Brückenbauwerk gehört, den Durchlass provisorisch erneuert. Bereits damals haben Ortskundige gewarnt, dass der Durchmesser der neuen Rohre viel zu klein ist. Auch Antje Klenke vom Unterhaltungsverband Weiße Elster hat genau das oft genug betont. "So wie es jetzt ist, ist es zu klein. Der Durchlass wurde einfach halbiert", sagt die Fachfrau, die für die Unterhaltung des Grabens zuständig ist. "Das Brückenbauwerk selbst liegt aber nicht in meinem Zuständigkeitsbereich", sagt sie. Da es seit Herbst letzten Jahres nicht so sturzbachartig geregnet hat, lagen noch viele Blätter in den Gräben. Die wurden jetzt in einem Rutsch durchgespült und sind in dem Rohr steckengeblieben. "Denn je kleiner der Querschnitt, umso schlechter fließt es ab", erklärt Klenke. Die Folge: Das Wasser staut sich extrem hoch an.

Kopfschütteln auch in der Gemeindeverwaltung der Elsteraue. "Wir haben nicht verstanden, dass der Landesbetrieb den Durchlass verkleinert hat. Vor allem nicht nach dem Hochwasser in Döbitzschen im letzten Jahr", so Heike Frommhold, Leiterin des Ordnungsamtes. Nun will die Gemeinde Druck auf die Landesbehörde machen. Denn: "So kann es nicht bleiben", sagt Frommhold. Beim LSBB war am Donnerstag kein Presse-Verantwortlicher für eine Stellungnahme zu erreichen.

Schlamm schwemmt auf Straßen

Doch nicht nur in Döbitzschen richtete das Unwetter Schaden an. In Nißma waren Gemeindearbeiter im Einsatz, Straßen von Schlamm zu befreuen, der von den Feldern kam. Auch in Prehlitz-Penkwitz und in Rehmsdorf schwappte Erde auf die Straßen. In Profen rückte die Feuerwehr aus, weil der Tunnel im Ort voll Wasser war. In Könderitz musste ebenfalls die Feuerwehr raus, Wasser stand auf der Straße. Es wird vermutet, dass ein Rohr verstopft ist und deswegen das Wasser nicht abfließen konnte. Antje Klenke vom Unterhaltungsverband will das zeitnah mit einer Kamera untersuchen lassen, um zu erfahren, ob und wenn ja was das Rohr verstopft.