Am Donnerstag begeht Andrea Kabisch ihr Dienstjubiläum. Seit 20 Jahren leitet sie die Volkshochschule. Damals fing sie in der Zeitzer Einrichtung an. Inzwischen wuchs die Bildungsstätte Burgenlandkreis zusammen, hat auch Geschäftsstellen in Naumburg und Weißenfels. (FOTO: HARTMUT KRIMMER)
Andrea Kabisch ist eine Power-Frau. In hohem Tempo läuft sie durch die langen Gänge im altehrwürdigen Klinkerbau der Volkshochschule Burgenlandkreis. Als Leiterin hat sie diese Bildungsstätte geformt, mit neuen Inhalten ausgestattet, Tausende Kursteilnehmer aktiviert und die Schule im Landesmaßstab nach vorn gebracht.
Am Donnerstag ist die 58-Jährige genau 20 Jahre im Amt. "Einen Grund zum Feiern gibt es für mich nicht, denn ich gehe jetzt in Vorruhestand", sagt Andrea Kabisch. Großes Kopfzerbrechen bereitet ihr die Nachfolge. "Ich hätte mir gewünscht, meinen Nachfolger fachlich einzuarbeiten", denkt sie laut nach. Doch daraus werde nichts. Zum einen befindet sie sich nun im Urlaub und der 11. Juli ist bereits ihr letzter Arbeitstag. Zum anderen bleibt der Chefsessel in der Zeitzer Einrichtung leer. Die Schul- und Kulturamtsleiterin aus der Kreisverwaltung wird die Leitung der Volkshochschule mit übernehmen.
Als Andrea Kabisch im Jahre 1992 bei der Volkshochschule anfing, gab es nur ein kleines Büro in der Zeitzer Fußgängerzone in der Wendischen Straße. Später bezog man eine größere Einheit am Nicolaiplatz und die ehemalige Berufsschule etablierte sich zu einer modernen Volkshochschule. Hier findet man Sprach- und Computerkabinette, Atelier und Töpferwerkstatt, Spiegelsaal und Küchenstudio. Andrea Kabisch sorgte stets dafür, dass inhaltlichen Neuausrichtungen auch bauliche Veränderungen folgten.
Umfasste das Programm im Herbst 1992 gerade mal 16 Seiten, stehen heute auf etwa 240 Seiten rund 400 verschiedene Bildungsangebote. Ein Netzwerk von Dozenten entstand im Laufe der Jahre. Andrea Kabisch kennt sie alle persönlich. Sie kommen aus ganz Mitteldeutschland, vor allem aber aus Halle, Leipzig und Jena. "Mein liebstes Kind ist die berufliche Bildung. Hier haben wir verlässliche Partner in der regionalen Wirtschaft, bieten sowohl auf konkrete Nachfrage von Firmen, als auch zahlreiche IHK-Abschlüsse in der Vergangenheit und aktuell den Finanzbuchhalter als Weiterbildung an", fährt die Leiterin der VHS fort. Immer wieder musste sich die Bildungsstätte nach politischen Reformen neu ausrichten. Nach der Gebietsreform 1994 fusionierte die VHS Naumburg, Nebra und Zeitz. Der Sitz blieb an der Weißen Elster. Seit der Fusion mit Weißenfels trägt die Schule den Namen Dr. Wilhelm Harnisch.
Das Profil wandelte sich im Laufe der Jahre. Nach der Wende setzte ein regelrechter Ran auf die Sprachen ein. Bis heute liegen Fremdsprachen hoch in der Gunst der Kursteilnehmer. An erster Stelle steht dabei immer noch Englisch. Zunehmend breiteren Raum nimmt die Gesundheitsbildung ein. Andrea Kabisch beobachtet aktuelle Entwicklungen, so dass auch Yoga, Pilates und Zumba als Kurse Einzug hielten. "Bildung kennt keinen Stillstand", sagt sie und ist immer wieder selbst auf Achse. Ob am Abend oder am Wochenende, man trifft sie häufig in der Schule, zu diversen Ausstellungen in der Region oder bei politischen Veranstaltungen.
Was sie im Ruhestand mit ihrer neu gewonnenen Zeit beginnen will? "Erst einmal möchte ich mein Berufsleben wirklich abschließen und danach zur Ruhe kommen. Langweilig wird mir auf keinen Fall", sagt die Schulleiterin. Und irgendwie kann man sich nicht vorstellen, dass diese Powerfrau jetzt plötzlich einen Gang zurückschaltet oder gar einen Leerlauf einlegt.