In der Zeitzer Gartensparte Freie Gewerkschaften wird mächtig aufgeräumt. In leer stehenden Parzellen arbeiten Beschäftigte vom zweiten Arbeitsmarkt. Projektleiter Detlef Herrmann (großes Foto, mitte) bespricht mit Ramona Meißner und Michael Tadday die weiteren Pläne. Roberto Petzold baut die Fenster an einer Laube aus (kleines Foto links). Enrico Müller schleppt alte Gehwegplatten. (FOTO: HELGA FREUND)
Die Nummern 118 bis 120 liegen nebeneinander, stehen seit langem leer und werden jetzt zurückgebaut. "Auf einer Fläche von zirka 3 000 Quadratmetern wollen wir uns ein Stück der Natur annähern, die Gärten auflösen und eine Streuobstwiese anlegen", erklärt Detlef Herrmann. Er leitet das kleine Team der Zeitzer Innovativen Arbeitsfördergesellschaft (Ziag) vor Ort an, erteilt die Aufgaben, organisiert Arbeitsgeräte und -bekleidung. "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung" heißt diese Maßnahme auf dem zweiten Arbeitsmarkt, im Volksmund auch Ein-Euro-Job genannt.
"Ich war Anlagenfahrer im Hydrierwerk und habe bis zum Schluss in der Paraffinerie gearbeitet. Danach war ich viele Jahre arbeitslos", erzählt Michael Tadday. Ihm liegt es, kräftig zuzupacken und auch Ramona Meißner scheut die körperliche Arbeit nicht. "Ich war Näherin im Zekiwa-Werk. Jetzt wieder unter Menschen zu sein und gebraucht zu werden, motiviert mich", sagt die Zeitzerin. Doch über Erfahrungen im Gartenbau verfügen beide nicht. Das achtköpfige Team ist froh, dass jetzt der Frühling kommt. Die Maßnahme begann nämlich schon im Januar, und bei Wind und Wetter draußen zu schuften, sei ganz schön hart gewesen. Bis zum 30. Juni ist dieses Projekt befristet.
Gehwegplatten, Zaunspfähle und anderes Material werden in einem anderen Garten zwischengelagert. Vielleicht könne es die Sparte noch einmal gebrauchen. Mit dem Rückbau dieser Parzellen kämpft man in der Freien Gewerkschaft gegen den Leerstand. Immerhin stehen von rund 200 Gärten etwa 30 leer.
Neben der Maßnahme der Ziag beschäftigt der Regionalverband der Kleingärtner einen Mann über den zweiten Arbeitsmarkt. Er beräumt ebenfalls leerstehende Parzellen in der Freien Gewerkschaft. Doch die Zahl der verlassenen Gärten dürfte weiter steigen. Nach Ansicht von Herbert Hedrich, Chef des Regionalverbandes der Kleingärtner, werden jedes Jahr in der Region Zeitz bis zu 120 Gärten abgegeben. Grund dafür ist die demografische Entwicklung. Schon heute sind 60 Prozent der Kleingärtner älter als 65 Jahre. Außerdem gibt es in Zeitz-Ost eine hohe Konzentration von Gartensparten. Allein in der Sebald-Waldstein-Straße gibt es sechs Anlagen und in der Bonhoefferstraße weitere vier.