Zeitz: Mit Schirm zum Schießplatz

03.06.2012 19:57 Uhr | Aktualisiert 03.06.2012 22:21 Uhr
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Von HEIKE RIEDEL
Die Bundeswehr öffnet ihr Übungsgelände für eine geführte Wanderung. Am Rande wird an einem Kompromiss zur Öffnung des Waldgebietes gearbeitet.
LONZIG/MZ. 

Ein Tross von rund 110 Männern, Frauen und Kindern folgte Oberstleutnant Christian Friedl und seinen Soldaten trotz Regens am Sonntag in den Zeitzer Forst. Der Kommandeur des Panzerpionierbataillons 701 aus Gera hatte zu einer geführten Wanderung in das Waldgebiet eingeladen, das Standortübungsplatz der Bundeswehr ist. "Nur 400 Hektar sind Bundeswehrübungsplatz, 1 700 Hektar hat der gesamte Forst", betonte Roland Jacob vom Bundesforst. Ihn und seinen Mitarbeiter im Betriebsbereich Thüringen-Erzgebirge Mitte Revierleiter Harry Harrweg hatte sich der Kommandeur an seine Seite geholt, um sein Versprechen einzulösen, der Öffentlichkeit in geführten Wanderungen die Reize von Flora und Fauna vorzuführen.

Allerdings waren es nicht nur Naturfreuden, die sich die Mitwanderer von ihrer Teilnahme an der Aktion versprachen. "Wir wollen immer in unseren Zeitzer Forst", "Für die ausschließlich zivile Nutzung des Zeitzer Forsts", "Für Freie Wege" - gut lesbar trugen einige der Männer und Frauen ihre Forderungen bei sich. Sie nutzten wie Stefan Hilscher aus Breitenbach die Gelegenheit, ihr Interesse an einer zivilen Nutzung des Waldes kundzutun. "Wir lassen uns hier nicht verdrängen, auch wenn mit höheren Strafen gedroht wird", so Hilscher. Ziviler Ungehorsam müsse erlaubt sein.

Seit 2009 versperren Schlagbäume und Schilder Wege, die bis dahin genutzt werden konnten. "Wenn wir wenigstens erst einmal einen davon wieder frei kriegen", sprach Ulf Kahnt eine Hoffnung aus, die sich seiner Meinung nach schon nach der Wanderung erfüllen könnte. Denn die Bürgerinitiative sei mit Unterstützung der Politiker auf Kompromisssuche. Deshalb auch hatten sich Landrat Harri Reiche (parteilos) und die Landtagsabgeordneten Arnd Czapek (CDU) sowie Rüdiger Erben (SPD) der Wanderung angeschlossen. Vermitteln, das war für alle drei der einzige Weg, die berechtigten Interessen von Bevölkerung und Bundeswehr zu berücksichtigen. Wieder zu einer Betretungsrechtsvereinbarung für die Wege zu kommen, war Michael Kretschmer von der Bürgerinitiative der naheliegendste Wunsch. Wie das Verbot des Betretens derzeit akzeptiert wird, führten zwei Motorcrossfahrer vor. Sie fuhren dem Wandertross plötzlich entgegen. Als sie wenden und flüchten wollten, stürzte einer. Er wird nun angezeigt, weil er sich illegal in dem militärischen Sicherheitsbereich aufhielt.

Außerhalb der Schießzeiten den Wald zu öffnen, so sind die Vorstellungen des Landrats. Dass es trotz aller Vermittlungsgespräche nicht einfach werden wird, einen Kompromiss zu finden, der alle zufriedenstellt, ist ihm klar. Denn dass die Bundeswehr auf ihren neuen Standortschießplatz verzichtet, sei nicht zu erwarten. Wenn, dann sei das eine in Berlin und nicht in Sachsen-Anhalt zu treffende Entscheidung, so Erben.

Der Schießplatz, der jetzt bereits ein zwei Mal im Vierteljahr genutzt wird, lässt nur ein eingeschränktes Training zu. Gegenwärtig müssten die Geraer Soldaten Reisen zu entfernten Schießplätze unternehmen, die gerade frei sind. "Das kostet Zeit und Geld", erklärte Presseoffizier Alexander Koch in Gesprächen am Rande, warum der Bau eines neuen Schießplatzes nötig sei. So suchte man Verständnis füreinander.