Von Freitag bis Sonntag hat in Zeitz das zehnte Festival der Reformation stattgefunden. Ein buntes Programm auf vielen Plätzen und in vielen Sälen, aber insgesamt machten sich die Besucher rar. Die MZ fragte deshalb am Montag nach: Was bringt das 40 000 Euro teure Wochenende der Stadt Zeitz? "Insgesamt hätten wir uns für die vielen Veranstaltungsorte mehr Besucher gewünscht", sagt sogar der Zeitzer Oberbürgermeister Volkmar Kunze (FDP) als Resümee, "ich bin mir sicher, dass die Besucher, die sich das kulturell anspruchsvolle Festival nicht entgehen ließen, schöne Eindrücke gesammelt haben und über das Erlebte positiv berichten werden."
Altmarkt blieb leer
Besucher und Akteure formulieren es ähnlich. Günter Laugisch zählte zum Konzert im Festsaal der Moritzburg mit den Musikern aus der Partnerstadt Detmold ganze fünf Zuhörer - die Gastgeber eingerechnet. Dabei sind es renommierte Künstler. Ein Vertreter einer Lutherstadt auf dem Altmarkt meinte, dass er noch in keiner Stadt so wenig Andrang erlebt habe. Und der Zeitzer Norbert Hörig hat die Besucher auf dem Altmarkt gezählt und eine Liste gemacht. Er fasste zusammen: In manchen Stunden kamen höchsten sechs Gäste vorbei, dann waren es mal wieder 13 oder 20. Viel zu wenig angesichts dessen, was die Abgesandten ihrer Städte mit viel Einsatz vorbereitet und gestaltet haben. Gut angenommen ist aber wohl der Mittelaltermarkt im Hof des Franziskanerklosters gewesen. Von "geschätzt einigen tausend Besuchern", wie an den Einnahmen aus dem Eintritt zu sehen sei, ist die Rede.
"Es gab sehr viele Angebote zum Festival der Reformation hier in Zeitz. Die Besucher, welche die Angebote angenommen haben, waren begeistert und konnten auch sehr viele Informationen über die bedeutende Rolle unserer Heimatstadt in der Reformationsgeschichte mitnehmen", betonte Kunze. Und das sehen auch Besucher so. Das Ehepaar Ruhnert aus Hof war am Montag noch einmal in Zeitz, um den Schlosspark zu besuchen. Sie waren bereits am Samstag und Sonntag da, wohnten aber in Gera. "Wir sind vor allem wegen der Stiftsbibliothek gekommen und haben uns auf Ausstellungen und Konzerte gefreut", so Achim Ruhnert, "aber wir haben natürlich nicht alles geschafft." Wunderbare Angebote, meinen beide, fast zu viele und zu weit verteilt, sonst hätten sie mehr "mitgenommen".
In der Zeitzer Fußgängerzone waren die Meinungen dagegen am Montag geteilt. Viele sehen Zeitz keineswegs als "gewachsene Lutherstadt" und führen darauf das mangelnde Interesse gerade von Zeitzern zurück. "Auf dem Mittelaltermarkt war es voll, als wir da waren", sagte Dieter Hering, "ein Volksfest, das macht den Leuten Spaß, alles andere war Reformation, war Kirche, war für Fachleute - und schon ist keiner hin." Annett Petzold fragte, warum das Festival ausgerechnet mitten in den Ferien stattfand. Was es gekostet habe, wollten am Montag gleich mehrere Anrufer wissen.
Zeit und Geld
Das Wochenende ist so ausgesucht worden. Das bestätigt auch Pressesprecher Sebastian Nicolai. Wegen des Lutherbriefes. Und was die Kosten angeht: Es waren insgesamt 40 000 Euro geplant, wie von Nicolai zu erfahren ist. Ein Antrag auf Fördermittel aus dem Programm "Reformationsjubiläum 2017" sei bewilligt worden und somit können bis zu 20 000 Euro der Kosten gefördert werden. "Diese Kosten müssen nun mit entsprechenden Rechnungen nachgewiesen werden", Nicolai weiter, "mit den Einnahmen aus Eintritten und Standgebühren verbleibt ein Eigenanteil von circa 10 000 Euro."
"Somit verbleibt für uns ein überwiegend positiver Eindruck des Festivals der Reformation", schließt Oberbürgermeister Kunze, "wir werden unsere Erfahrungen auch gerne an den nächsten Austragungsort Grimma weitergeben und wünschen dem nächsten Festival der Reformation 2013 bereits gutes Gelingen."