«Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen», so der Stadtratsvorsitzender Eugen Engel. (FOTO: ARCHIV)
Engel tritt eine neue Tätigkeit bei einem kommunalen Unternehmen an und wird Vater. Ab September studiert er zudem Betriebswirtschaft in Leipzig. Er legt sein Amt nieder, um nicht als Stadtrat in einem kommunalen Unternehmen zu arbeiten. Das, so seine Befürchtung, könnte ihn angreifbar machen. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", sagt er.
Engel, gelernter Koch, war zuletzt Inhaber einer privaten Agentur für Arbeitsvermittlung. Künftig arbeitet er in einem Unternehmen des Stadtwerkekonzerns und betreut Sonderkunden. Er hatte das Ehrenamt des Ratsvorsitzenden seit seit Oktober 2009 inne und wird in der kommenden Woche seine letzte Ratssitzung leiten.
Politikerkollegen reagieren mit Verständnis, andere üben Kritik. Von Vorteilsnahme ist die Rede. "Sachkompetenz statt Eigennutz", zitiert Karl Melzer (parteilos, Fraktion Alternative Liberale Liste) den einstigen Wahlslogan der Freien Wähler zur Stadtratswahl 2009. Und schüttelt den Kopf. "Ich bin entsetzt, wie man das Amt missbraucht", sagt er.
Melzer ist derzeit zweiter Stellvertreter des Ratsvorsitzenden. Nach der Wende war er erster Vorsitzender der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung. Und heute sei es für ihn vorstellbar, erneut für den Vorsitz des Stadtrates zu kandidieren, sagt der 62-Jährige.
Den Vorwurf der Vorteilsnahme weist Engel allerdings zurück. Er komme sich vor, wie ein Angeklagter. Dabei habe er nur Entscheidungen für seinen künftigen Lebensweg getroffen. Er wolle auch nicht, dass seine Fraktion aufgrund seiner Entscheidungen Schaden nehme. Weiter wollte er sich allerdings noch nicht äußern.
Der Zeitzer Oberbürgermeister Volkmar Kunze (FDP) hält die Entscheidungen für "konsequent und ehrlich". Er habe gerne mit dem Ratsvorsitzenden Engel zusammengearbeitet. Aus seiner Sicht sei es falsch zu behaupten, Engel habe sich mit Hilfe seiner Position einen Posten verschafft. "Er hat sich um eine Stelle beworben und ist aufgrund seiner Qualifikation genommen worden", so Kunze.
Das bestätigt Andreas Huke, Geschäftsführer der Stadtwerke Zeitz GmbH. Demnach wird Engel künftig als Betreuer von Sonderkunden der Stadtwerketochter Burgenland Energie GmbH tätig sein - im Raum zwischen Dresden, Eisenach und Magdeburg. Er werde keine leitende Stellung bekleiden, so Huke.
Das Unternehmen habe mit Hilfe von Dienstleistern nach geeigneten Kandidaten für die Stelle gesucht und in Engel einen gefunden. Wichtig sei den Stadtwerken gewesen, dass der Kandidat ins Team passe, er mit Menschen umgehen könne und ein der Arbeit angepasstes Auftreten habe. Und die Bereitschaft, sich zu qualifizieren. Die Stadtwerke sind derzeit dabei, drei weitere Kundenberater zu finden.