Die Strichliste ist ernüchternd: Über 30 Geschäfte in der Zeitzer Innestadt stehen leer. Rechnet man die Läden hinzu, die schon seit Jahren geschlossen sind, sich in unansehnlichen Häusern am Neumarkt und in der Luthergasse beziehungsweise am Michaeliskirchhof befinden, dann sind es fast 40. Kalkstraße und Schützenstraße nicht gerechnet. "Die letzte Zeitzer Drogerie hat geschlossen, nach über 140 Jahren als Familienunternehmen in der vierten Generation", sagt Rudolf Stöver vom Arbeitskreis Altstadt, "aber für das nächste Zeitzer Einkaufszentrum stehen die Zeichen auf Start."
Nach dem Michaelpark komme jetzt ein neues 5 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum am Schützenplatz. "Schön - das Schützenplatz-Projekt geht auf einen Beschluss von 1992 zurück, aber vor 20 Jahren glaubte Zeitz noch an eine Aufwärtsentwicklung und war noch nicht mit Einkaufszentren an der Peripherie zugepflastert", Stöver weiter, "es gab sogar noch einzelne Geschäfte in der Rahnestraße. Aber heute?"
Zehn leere Läden, zum Teil große, gibt es in der Wendischen Straße und am Roßmarkt, eine Schließung steht Ende August bevor. Dazu kommt, dass in vielen Ladengeschäften mittlerweile Versicherungen, Steuer- und Immobilienbüros und andere Dienstleister Einzug gehalten haben. Der Arbeitskreis Altstadt sieht hier eine gefährliche Entwicklung. Umso mehr, als auch der Branchenmix schon lange nicht mehr stimmt. Es gibt keine Drogerie mehr rund um die Fußgängerzone und auch kein Elektronikfachgeschäft. "Bestimmte Dinge, da muss man doch in der Innenstadt gar nicht mehr suchen", sagt denn auch Hans Seifert, "das holen wir beim Wochenendeinkauf in einem der Supermärkte oder wir fahren gleich nach Gera."
Verschärft wird das Problem, weil in vielen Häusern nicht nur der Laden im Parterre der Vergangenheit angehört, sondern auch die Wohnungen darüber leerstehen. Neueröffnungen, wie in der Brüderstraße, wo nach der Schließung eines Fleischerfachgeschäftes ein neues einzog, oder am Roßmarkt, wo aus der Drogerie ein Sportfachgeschäft wird, sind eher die Ausnahme. "Und was wird aus den leeren Geschäften? Und was wird aus uns Zeitzern?", fragt Stöver, "Wohlfühlen zwischen Supermärkten und Ruinen, spazieren gehen in einem sterbenden Zentrum oder - nicht mehr zur Wahl gehen? Oder doch mit einem Stadtrat und einer Verwaltung sprechen können, die sich den Problemen der Stadt offen stellt, anstatt immer wieder an den harten Problemen der Stadt vorbeizumarschieren." Einen Vorschlag gibt es übrigens: Wenn auf den Parkplätzen von innenstadtfernen Einkaufsmärkten kostenlos geparkt werden darf, warum dann nicht auch in der Innenstadt?