Gesprengter Fahrkartenautomat. (FOTO: HARTMUT KRIMMER)
Kriminaltechniker statt Reisende. Ein Notfallmanager, der Koffer schleppt - Mittwochmorgen herrscht Ausnahmezustand auf dem Zeitzer Bahnhof. Der Fahrkartenautomat im Durchgang zu den Bahnsteigen ist gegen drei Uhr in der Früh gesprengt worden. Wer die Täter sind, welches explosive Gemisch sie nutzten, ist unbekannt. Das Bahnhofsgebäude muss bis kurz vor elf Uhr für jeglichen Besucherverkehr gesperrt bleiben, weil Kriminalisten und die Bundespolizei den Tatort untersuchen, Spuren sichern. Bis zu 20 Meter weit sind bei der Detonation Splitter durch die Bahnhofshalle geflogen. "Das muss tüchtig gekracht haben", sagt ein Mann vom Landeskriminalamt. Namen und Dienstrang behält er für sich.
Den Zugverkehr hat der Anschlag nicht beeinträchtigt. Allerdings müssen Reisende vorübergehend über Umwege zu den Zügen und von den Bahnsteigen hinunter geführt werden. Es geht über die Gleise. Aber nicht für Elfriede (80) und Lothar Näther (78) aus Zeitz. Näther ist blind, der Weg über die Schienen zu beschwerlich. Deshalb nimmt das Ehepaar ein Taxi nach Weißenfels zur Arztsprechstunde. Das sei ärgerlich, weil es teurer ist als die Zugfahrt, so Näther.
Petra Schirm (56) aus München nimmt den Weg über die Gleise. "Was will man machen, ich muss doch zum Zug. Und der Mann ist nett, er trägt doch meinen Koffer", sagt sie. Der Mann, das ist Klaus Günther, "Notfallmanager" steht auf seiner orangenen Weste, die ihn als Ansprechpartner der Bahn kenntlich macht. Drei Züge kämen im Durchschnitt pro Stunde. Wie vielen Menschen über die Schienen geholfen werden muss, kann er jedoch nicht überschlagen.
Der Anschlag auf den Bahnhof ist laut Polizeisprecher Jörg Bethmann gegen 3.15 Uhr bemerkt worden, von Polizisten auf Streifenfahrt. "Sie sahen, wie Qualm aus dem Bahnhof kam und gingen hinein." Da sahen sie das Malheur, den gesprengten Automaten, der laut Polizei nur noch Schrott ist. An die Geldkassette sind sie nicht herangekommen. Wie hoch der Sachschaden ist, kann auch Bahnsprecher Jörg Bönisch noch nicht beziffern. Allein der Fahrkartenautomat habe den Wert eines Autos der Mittelklasse. Wie lange es dauert, bis die Technik ersetzt ist, vermag Bönisch im Moment ebenso wenig nicht zu sagen. Es könne schon ein paar Tage dauern. Derweil können Fahrgäste Tickets in der Reiseagentur auf dem Bahnhof kaufen oder im Zug lösen. Laut Bönisch erleidet die Bahn jährlich Vandalismusschäden in einem Wert von annähernd 50 Millionen Euro.
Schaden in Form von Umsatzeinbußen haben am Mittwoch auch der Bahnhofsbuchhändler Christoph Münch und die Reiseagentur A-Z erlitten. Schließlich haben die Geschäfte am Morgen nicht wie gewohnt öffnen und Zeitungen, Bücher und Tickets verkaufen können. "Das ist ärgerlich", sagt Münch, "aber zum Glück ist wenigstens niemand verletzt worden." Und Detlef Beer, Mitinhaber der Reiseagentur, schließt sich der Meinung vieler Reisender an: "Hoffentlich werden die Täter schnell gefasst."